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vss-unes-usu - the union of students in switzerland - info@vss-unes.ch vss - verband der schweizer studierendenschaften
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Kurze Geschichte des VSSGründung Der VSS wurde als nationaler Dachverband am 19. Juni 1920 in Zürich gegründet von den Studierendenschaften der Universitäten Basel, Genf, Neuenburg und Zürich, der ETH Zürich, der Hochschule St. Gallen, der Vereinigung der Tessiner Studenten und einigen Studenten aus Bern. Diplomatie Die ersten Jahrzehnte des VSS prägte vor allem eine aufwändige Aussenpolitik. Bereits zwischen den Kriegen, vor allem aber seit 1945 entfaltete der Verband eine rege Reisetätigkeit, insbesondere innerhalb Europas. Bestrebungen um Ausgleich zwischen den Fronten des kalten Krieges stiessen allerdings oft auf Kritik. So war der VSS bei der Gründung der IUS 1945 zwar dabei, eine Mitgliedschaft kam hingegen nicht zu Stande, da die IUS als kommunistisch und 3.-Welt-lastig galt. Dafür engagierte sich der VSS stark in der als Gegenorganisation zur IUS gebildeten ISC bis zu deren Scheitern Ende der 60er-Jahre, als finanzielle Beziehungen zum US-amerikanischen Geheimdienst zu Tage traten. Reisen Die umfangreichen Reise-Aktivitäten des VSS führten schliesslich zur Gründung der lange Zeit sehr erfolgreichen Genossenschaft SSR. Diese entfremdete sich allerdings dem studentischen Milieu, nachdem die Angestellten als Einzel-Genossenschafter-innen mit gleichem Stimmrecht wie die Verbände zugelassen wurden. Schliesslich hat sie sich aufgelöst: das Geschäft wurde verkauft und ein Teil des Vermögens in die Stiftung für Solidarität im Tourismus SST eingebracht, die bislang aber nicht besonders geneigt scheint, Projekte des VSS zu unterstützen. Presse Einen Wendepunkt bringt das Jahr 1960. Auf Betreiben der welschen Studierenden wurde der Geschäftssitz nach Bern verlegt. Die Öffnung der Universitäten für die explodierende Bevölkerung führte dazu, dass die alt-eingesessenen Kreise ihre Mehrheiten verloren. In Zürich gründete der VSS gemeinsam mit den Studierendenschaften von Uni und ETH die Zeitung «das konzept»: an Stelle schlichter ständischer Interessensvertretung gewannen philosophische und gesellschaftspolitische Überlegungen an Terrain. Hier wurde der Herausgeberverein später direkt in eine nur vom Personal geführte Genossenschaft übergeführt: die im Schweizer Medien-Umfeld unverzichtbare Wochenzeitung WOZ schreibt zur Zeit allerdings relativ selten über Bildungs-Themen. Frauenpower Bis weit in die 60er Jahre war der VSS eine reine Männerdomäne. Dies ändert sich im Zuge der 68er Bewegung sowie der nachfolgenden Neuen Frauenbewegung. Im Jahre 1967 wird zum ersten Mal eine Frau in den VSS-Vorstand gewählt. In den darauf folgenden Jahren artikulieren sich die Studentinnen in den lokalen Studierendenschaften und auch im VSS immer unüberhörbarer. Mitbestimmung Das Jahr 1968 bringt einen Glücksfall für den VSS, da die eidgenössischen Räte eben über ein Hochschul-Förderungs-Gesetz beraten. Dieses begründet eine Schweizerische Hochschul-Konferenz SHK, der zwei stimmberechtigte Mitglieder des VSS angehören und die u. a. die «Pflege des Kontaktes mit der Studentenschaft» zur Aufgabe hat. Auch in der Interkantonalen Stipendienbearbeiter-Konferenz IKSK erhält der VSS Einsitz. Die Freude war allerdings nur von kurzer Dauer: Der Aufbruchstimmung folgte Spardruck, und der VSS liess sich seine Agenda von der SHK bestimmen. Immerhin hatte er damit begonnen, innenpolitisch aktiv zu werden. Volksrechte Am 1. Juni 1970 lehnte das Schweizer Volk mit einer Mehrheit von zwei Dritteln ein neues ETH-Gesetz ab, weil dieses ohne Mitarbeit der Studierenden entstanden war und deren Mitarbeit auch nicht enthielt - ein Referendums-Erfolg des VSS, der sich allerdings als Pyrrhus-Sieg erwies: die ETH wurden vermittels einer «Übergangs-Regelung» weitergeführt, die noch weniger Mitsprache brachte als das vorgesehene Gesetz. Ein Debakel brachte schliesslich die 1972 eingereichte Stipendien-Initiative für elternunabhängige rückzahlbare Studienbeihilfen («Lausanner Modell»). Diese wurde von den - wie es das Gesetz verlangt - einreichenden Einzelpersonen im Sommer 1973 gegen den Willen des VSS zurückgezogen. Demokratisierung Das Jahr 1973 brachte zudem, erzwungen durch die Studierendenschaft von Fribourg, eine weitere Statuten-Revision. Diese brachte zwar eine demokratischere Organisation, jedoch auch den Austritt der St. Galler Studierenden, die auf einer ständischen Struktur beharrten. Im gleichen Jahr wurde der Studierendenschaft von Bern die finanzielle Autonomie entzogen, diejenige in Basel wurde gar aufgelöst. Etwas länger dauerten die Angriffe der in die Minderheit versetzten Konservativen in Zürich: die Studierendenschaft der ETH kam mit einer diversifizierten Mitgliedschafts-Regelung davon, doch an der Uni wurde 1978 die Studentenschaft SUZ aufgelöst. Die Dienstleistungen der SUZ konnten in die Stiftung Zentralstelle der Studentenschaft überführt werden, das politische Mandat übernahm der privatrechtliche VSU. Finanzprobleme Die 80er Jahre des VSS sind bisher nirgends verarbeitet oder kommentiert worden. Zu konsultieren wäre das Bundesarchiv in Bern, das dessen Akten betreut. Es ist zu wünschen, dass die Akteure und Akteurinnen sich gelegentlich mit ihrer «oral history» zurückmelden würden. Im Rückblick offensichtlich wird, dass die Projekte privatrechtlicher Studierenden-Organisationen in Basel und Zürich im Krebsgang waren: Es gab kein Geld, ausser man verwandte seine Kraft auf dessen Beschaffung. Déja-vu Die 90er Jahre bringen zunächst das 70er-Programm mit umgekehrten Vorzeichen: Sowohl das Referendum zum ETH-Gesetz wie das Projekt einer neuen Stipendien-Initiative scheitern an der Unterschriften-Sammlung. Der VSS ist geschlagen - die Idee eines eidgenössischen Bildungswesens unter Beteiligung der Studierenden ist faktisch beerdigt. Einen neuen Impuls bringt wieder Fribourg durch eine Statuten-Revision 1995, die den Vorstand durch ein von den Sektionen ad hoc delegiertes «Comite» ersetzt. Dieses nimmt eine Mittler-Rolle ein zwischen dem Büro und der Delegierten-Versammlung. Opposition 1993 tritt der VSS unter Protest aus der SHK aus, da diese für die Medizin einen «numerus clausus» einführt. Die internationalen Kontakte werden hingegen wieder verstärkt: Die praktisch inexistente IUS soll in Libyen wiederbelebt werden, und den europäischen Dachverband ESIB lädt man nach Genf ein. Die treibende Kraft hinter diesen Bemühungen ist denn auch die Genfer Studentenschaft, die allerdings 2002 ihren Austritt aus dem VSS gibt, weil dieser innenpolitisch eine «sowohl-als-auch»-Strategie verfolgen und nicht noch weitere Kooperations-Möglichkeiten unterbinden will. Restauration In Basel wurde 1995 eine Körperschaft öffentlichen Rechts wieder eingeführt, die seither bemüht ist, aus dem Nichts funktionierende Strukturen zu erarbeiten. Auch in Zürich sollte an der Universität wieder eine Studierendenschaft etabliert werden. Diese wird sich immerhin auf einen Studierendenrat als Legislative abstützen könnnen, der sich über Jahre hinweg als blosses Wahl-Gremium erhalten hat. Desgleichen hat Neuchatel eine strukturelle Anpassung vorgenommen, die eine adäquate und effiziente Vertretung der studentischen Interessen ermöglichen wird. In diesem Sinne offen bleibt die Lage an der Universität Genf: dort gibt es nach wie vor keine allgemeinen geheimen Wahlen - eine wesentliche Grundlage demokratischer Prozesse. (An der noch jungen Università della Svizzera Italiana sieht die Lage diesbezüglich noch schlechter aus). Techniker 1997 verabschiedet sich die Studierendenschaft der ETH Zürich aus dem VSS, ein Einschnitt, der konträr zu den Absichten des Bundes läuft, die verschiedenen Hochschulen einander anzunähern und ihre Aktivitäten zu koordinieren. Andererseits wirkt sich die Aufwertung der Technika und Handelsschulen zu «Fachhochschulen» aus. Der Dachverband SST beschliesst 2001, dass seine Mitglieder - gruppiert entsprechend den neuen Regionen - sich dem VSS anschliessen sollen. Als Ersten gelingt dies in Zürich auf Initiative der Winterthurer durch die Gründung des VSZFH, welcher als Dachverband frühere Einzelmitglieder des VSS (Musiker-innen, Dolmetscher-innen) mit neuer Kraft in die Politik einbringt. (In Bern besteht ein Dachverband de iure, dieser ist aber inaktiv). Koordination Mit der Interkantonalen Universitäts-Vereinbarung, dem neuen Universitäts-Förderungs-Gesetz und dem Konkordat zwischen Bund und Kantonen erstarkt die eidgenössische Koordination im Universitäts-Bereich. Die Schweizerische Universitäts-Konferenz SUK erhält mehr Kompetenzen, und auch die Rektorenkonferenz CRUS wird aktiver. Diese lädt den VSS zur Mitarbeit in Arbeitsgruppen zur Umsetzung der Erklärung von Bologna ein, ohne allerdings dessen Argumente allzu ernst zu nehmen. Offenere Ohren findet der VSS bei den politischen Instanzen, obwohl das Ziel eine sich autonom verwaltende akademische Gemeinschaft oder Universitas bleibt. Ausblick Die im neuen Jahrtausend verstärkte diplomatische Aktivität des VSS hat schliesslich dazu geführt, dass die "heimatlosen" Studierendenschaften der beiden ETH und von St. Gallen sich selbst einen Dachverband geschaffen haben. Sie wären im VSS willkommen gewesen, haben sich aber für den Weg der Konkurrenz entschieden. Die Statuten des «VSH» spiegeln die Forderungen der ETHZ-Studierenden, deren Ablehnung zum Austritt geführt hatte; ob sie sich bewähren können, bleibt abzuwarten. Der Organisations-Grad der Studierenden hat jedenfalls gewonnen, womit die eidgenössische Bildungspolitik zweifellos belebt wird. Schriftliche Quellen: VSS (Hrsg.): Studentenpolitik - Politik mit Studenten?
- 60 Jahre VSS. Bern 1980 Beiträge von: VSS-Vorstand 1968 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||