ISD 2003
>>> Übersicht
>>> Bern
>>> Fribourg
>>> Winterthur

>>> français

November 17th - International Students' Day

Am 17. November 1939 gingen die tschechischen Studierenden auf die Strasse, um gegen die Besetzung durch die Nazis zu demonstrieren. In Prag wurden Tausende verhaftet, misshandelt und teilweise hingerichtet. Damit dieses Datum nicht aus dem kollektiven Gedächtnis verschwindet, wurde der 17. November zum Internationalen Tag der Studierenden erklärt.

Mehr als 60 Jahre später werden immer noch weltweit unzählige StudentInnen verhaftet, gefoltert oder umgebracht, weil sie sich für Gleichheit und Freiheit einsetzen. Auch in diesem Jahr wurden Dutzende Fälle von Willkürlichen Verhaftungen, Verschwindenlassen, Folterungen oder Todesurteile gegen Studierende, die für Ihre Rechte kämpfen bekannt.

Simbabwe, China, Westsahara, USA, Mexiko, Philippinen, Weissrussland, Tunesien, Indonesien, Iran ... die Liste ist leider bei weitem nicht vollständig.

  • Weil die Meinungsfreiheit ein Recht ist!
  • Weil allen eine qualitativ gute Bildung zusteht!
  • Weil niemand gern hinter Gittern studiert!

Solidarität zwischen Studierenden!

ISD 2002
>>> Rede Stephan Tschöpe
>>> Rede Sara Ferraro

>>> Arbeitsgruppe 2003

Der 17. November ist der Tag der Studierenden. Es ist der Tag der Solidarisierung mit den Studierenden weltweit. Gerade weil nicht alle Studierenden in den verschiedenen Ländern die gleichen Rechte haben, geht es darum aufmerksam zu machen, welche "Privilegien" wir hier in der Schweiz haben im Vergleich mit anderen Ländern. Es ist aber auch Tag der Besinnung und der Solidarisierung, an dem wir realisieren können, dass in vielen Ländern Studierende ihre Rechte nicht wahrnehmen können.

Demo gegen höhere Studiengebühren, Streik gegen die Privatisierung der Hochschulbildung, öffentliche Podiumsdiskussionen zwischen Politikern/-innen und Studierenden - in der Schweiz Gang und Gäbe. Die Studierenden hierzulande sind organisiert in Studierendenschaften und scheuen den politischen Aktivismus nicht - warum sollten sie auch? Auch ihnen kommt das Recht der Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu. Die Arbeit, die von diesen Studierendenorganisationen geleistet wird ist wichtig und notwendig, schliesslich soll eine Hochschulbildung allen offenstehen; dies tut sie aber nicht mehr, wenn horrende Studiengebühren eingeführt werden, Stipendien abgeschafft und die Schweizer Universitäten zu versnobten Eliteuniversitäten verkümmern.

Auch ausseruniversitär sind viele Studis politisch aktiv und wenn nicht gerade aktiv, so diskutieren sie doch ab und zu bei einem Bierchen die politischen Geschehnisse; wir diskutieren über die kommenden Abstimmungsvorlagen, über politische Gesinnungen, ja, wir vergreifen uns manchmal auch verbal, wenn uns Entscheidungen der Politik missfallen. Gegen Mitternacht, leicht oder etwas stärker angetrunken, nehmen wir uns auch die Freiheit auf unsere Freiheit anzustossen; die Freiheit, das Fach zu studieren, das man will, die Freiheit, in einer Seminararbeit alles schreiben zu dürfen, auch wenn es vielleicht etwas staatskritisch ausfällt, die Freiheit, sagen zu dürfen, wenn man anderer Meinung ist, die Freiheit, politische Werbung zu machen, die Freiheit, uns zu organisieren und versammeln, die Freiheit, gegen Entscheide der Politik zu opponieren...

Ja, wir stossen auf unsere Freiheit an! All dies ist möglich: in der Schweiz.

1961 in Portugal taten zwei Studierende dasselbe, sie stiessen auf die Freiheit an. Na dann: Prost! Kurz darauf wurden sie verhaftet und zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Als dem englischen Rechtsanwalt Peter Benenson diese Geschichte zu Ohren kam, gründete er noch im selben Jahr mit Amnesty International eine weltweite Menschenrechtsorganisation.

Heute können Studierende in Portugal ohne Angst vor solchen schwerwiegenden Folgen auf die Freiheit anstossen. Ein Happy End? Nein, noch lange nicht.

Noch heute haben Studierende vieler Länder nicht die Rechte und Freiheiten, die wir hier in der Schweiz geniessen und ausleben können. Mexiko, Kamerun, Kolumbien, Peru, China, Indien, Pakistan, Nigeria, Iran, Tunesien, Türkei, Indonesien - eine Liste, die bei weitem nicht vollständig ist.

Tunesien: Der Informatikstudent der Uni von Tunis Abderrazak Hamzaoui wurde inhaftiert, weil er verdächtigt wurde Sympathisant einer verbotenen islamischen Partei zu sein.

Peru: Eine Studierendendemo wurde gewaltsam aufgelöst, 14 Personen verhaftet und im Polizeiquartier gefoltert.

China: Studentische Aktivisten, die sich für Demokratie, wirtschaftliche Reformen und Menschenrechte einsetzen, wurden der Konterrevolution bezichtigt und inhaftiert. Es besteht die Befürchtung, dass sie in Haft misshandelt und gefoltert wurden.

China und Tibet: Tibetische Studierende wurden wegen politischen Aktivitäten inhaftiert und geschlagen. Ihre Verbrechen? Sie machten die Aussage, Tibet gehöre nicht zu China, sie forderten mehr tibetische Lehrpersonen oder sie trugen die Fahne Tibets bei sich.

Türkei: Acht türkische Studierende entrollten im Parlament ein Transparent gegen Studiengebühren und gegen die Privatisierung der Bildung. Sie wurden verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, da die Studierenden ihren “Geständnissen" nach, einer verbotenen Organisation angehörten.

Türkei und Kurdistan: Studierende lancierten eine Kampagne “Bildung in kurdischer Sprache an den Hochschulen in der Türkei und Kurdistan". Das zuständige türkische Ministerium liess darauf hin verlauten, dies sei eine Kampagne der PKK und die Kampagnenführer seien dementsprechend zu behandeln. In der Folge kam es zu Verhaftungen, Verweisungen von der Universität und Haftstrafen.

Indonesien: Studierende, die sich zu einer Gruppe zur Beobachtung und Förderung der Menschenrechte zusammengeschlossen hatten, wurden anlässlich einer Gedenkveranstaltung von der Polizei angegriffen und auf brutale Art verprügelt.

Beispiele ohne Ende. Beispiele, die man am liebsten wieder aus dem Gedächtnis streichen würde - doch dazu darf es nicht kommen.

Der 17. November, der Internationale Tag der Studierenden soll und muss dafür sorgen, dass Menschenrechtsverletzungen an Studierenden nicht aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen werden.

Warum gerade der 17. November? Am 17.November 1939 demonstrierten tschechische Studierende gegen die Besetzung durch die Nazis. Tausende wurden verhaftet, misshandelt und teilweise hingerichtet.

So erinnert uns der 17. November jedes Jahr wieder an die Schicksale von Studierenden, die nicht so privilegiert und frei studieren können, wie wir in der Schweiz. Studierende, die ihre Meinung nicht frei äussern dürfen, Studierende, die nicht das Privileg haben, sich zusammenzuschliessen und zu versammeln, Studierende, die keine freien wissenschaftlichen Arbeiten schreiben können, Studierende, die aus politischen Gründen von der Uni verwiesen wurden, Studierende, die wegen ihrer politischen Gesinnung inhaftiert, gefoltert oder gar hingerichtet wurden.

Schweizer Studierende solidarisieren sich mit Studierenden aller Welt um gegen solche Menschenrechtsverletzungen anzukämpfen - nicht nur am 17. November, sondern 365 Tage im Jahr. Menschenrechte sind auch die Rechte von Studierenden.