Stellungnahmen | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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NEIN ZU DARLEHENBildung: Ein MenschenrechtAls die Generalversammlung der vereinten Nationen am 10
Dezember 1948 die "Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte" verkündete, erklärte sie in Art.
26 auch ein Recht auf Bildung. Es lautet: "Jeder Mensch
hat das Recht auf Bildung. Der Unterricht muss
wenigstens in den Elementar- und Grundschulen unentgeltlich
sein. Der Elementarunterricht ist obligatorisch. Fachlicher
und beruflicher Unterricht soll allgemein zugänglicher
sein; die höheren Studien sollen allen nach
Massgabe ihrer Fähigkeiten und Leistungen in
gleicher Weise offen stehen." (Art.26 Abs. 1) Der VSS ist der Meinung, dass der Bund und die Kantone ihrer Verantwortung für das Recht auf Bildung nachkommen müssen Der VSS wehrt sich vehement gegen die Ersetzung von Stipendien durch Darlehen, da dies zu einer nicht vertretbaren Chancenungleichheit und zu einer finanziellen Selektion, welcher einer Umverteilung von unten nach oben gleichkommen würde, führen würde. Der VSS fordert, dass der Bund darauf verzichtet, Darlehensvergaben finanziell zu unterstützten. Der VSS fordert, dass der Bund seiner Verantwortung als Garant für eine gute Ausbildung, die allen Menschen offensteht, nachkommt. Das Stipendienwesen muss harmonisiert und nicht durch Darlehen ersetzt werdenUm die Chancengleichheit zu wahren, vergibt der Bund bzw.
der jeweilige Kanton Stipendien als Aus- und
Weiterbildungsbeiträge. Weil aber die Kantone und nicht
der Bund die Hoheit über die Stipendienvergabe haben,
variiert die Stipendienhöhe sehr stark von Kanton zu
Kanton. Eine Harmonisierung des Stipendienwesens ist
dringend notwendig, damit es den Menschen aus allen
Schichten und allen Kantonen zu gleicher massen möglich
ist, eine Hochschule zu besuchen, ohne sich massiv
verschulden zu müssen. Nur durch die Vergabe von
Stipendien können soziale Unterschiede
abgeschwächt werden. Der VSS fordert die Beibehaltung von Stipendien und die Harmonisierung des Stipendienwesens in allen Kantonen. Wenn Stipendien durch Darlehen ersetzt werden, ist die Chancengleichheit, für die der Staat Verantwortung trägt, nicht mehr gewährleistet. Junge Menschen sollen zu einem Studium ermuntert und nicht durch eine drohende Verschuldung davon abgehalten werden. Bildungspotential darf nicht brachliegenSteht eine Hochschulausbildung nicht mehr Menschen aus allen sozialen Schichten offen, so liegt Bildungspotential brach und der Wohlstand unserer Gesellschaft sowie unsere Konkurrenzfähigkeit im internationalen Wettbewerb ist gefährdet. Die Zukunft der Wissenschaft, der Forschung und der ganzen Wirtschaft hängen von gut ausgebildeten Fachkräften ab, an welchen es zur Zeit mangelt. Deshalb ist es wichtig, dass die Voraussetzungen zur Aufnahme eines Studiums nicht weiter verschlechtert werden und dass keine weiteren Barriere für Studierende aus einkommensschwächeren Familien entstehen. Schon heute stammen nur 43.9% (1) der Studierenden aus einem nicht akademischen Milieu. Wenn Stipendien vermehrt durch Darlehen ersetzt werden, droht sich diese Zahl weiter zu verringern, und noch mehr Bildungspotential wird brachliegen. Das Beispiel Deutschlands hat es deutlich bewiesen: eine Ersetzung von Stipendien durch Darlehen in den Jahren 1983-1990 hat den Anteil von Kindern aus den unteren Schichten an den Hochschulen deutlich reduziert ; die Wiedereinführung von Stipendien hat diesen Anteil um 36% erhöht. (2) Auch die Qualität der akademischen Bildung wird abnehmen, wenn es das Ziel der Studierenden ist, so schnell wie nur irgendwie möglich das Studium zu beenden, um die eigene Verschuldung in Grenzen zu halten. Der VSS fordert die Möglichkeit für Menschen aus allen sozialen Schichten, eine Bildung auf qualitativ hohem Niveau zu erlangen. Die Hochschulen dürfen Menschen aus finanziell weniger starken Verhältnissen nicht verschlossen bleiben. Auch die Wirtschaft ist von gut ausgebildeten Fachkräften abhängig. Gefährdung der Mobilität und der freien Wahl des StudiumsDie Ersetzung von Stipendien durch Darlehen schränkt
die Mobilität der Studierenden ein, denn Studenten aus
einkommensschwachen Familien werden gezwungen, entweder bei
den Eltern wohnhaft zu bleiben oder das Risiko eines hohen
Schuldenberges auf sich zu nehmen. Der VSS ist der Meinung, dass es allen möglich sein sollte, die Universität und das Studienfach nach eigenen Interessen und Fähigkeiten zu wählen, ohne sich dabei verschulden zu müssen, denn es ist ein Mythos, dass ein Uniabschluss automatisch ein hohes Einkommen mit sich bringt und Darlehen problemlos zurückbezahlt werden können. Bildung als Investition in die ZukunftBund und Kantone versuchen ihren Finanzhaushalt
kurzfristig auf Kosten der sozial schwächeren zu
entlasten. Bei der Bildung darf jedoch nicht gespart werden,
da sie eine Investition in die Zukunft ist. Eine gute
Bildung für ein möglichst breites Spektrum von
Personen ist ein Beitrag zur Verminderung von
Arbeitslosigkeit und Sozialfällen, was unsere
Staatsfinanzen letztendlich entlasten wird. Der Spareffekt
bei der Ersetzung von Stipendien durch Darlehen ist auch
deshalb in Frage zu stellen, weil hohe administrative Kosten
anfallen und die nicht einbringbaren Darlehensschulden
abgeschrieben werden müssen. Unserer Meinung nach ist
es sinnvoll, dass Ausbildungskosten von der Allgemeinheit
finanziert werden, denn dank dem progressiven Steuersystem
werden so die Kosten meist auf Leute übertragen, die
selbst in den Genuss einer Hochschulausbildung gekommen
sind. Wenn sie jedoch durch hohe Schulden belastet werden,
leben Studierende während und nach dem Studium am
Existenzminimum und dieser Effekt fällt weg. Kosten für den Staat und die Studierenden bei einem Studium, das 5 Jahre dauert, nach dessen Abschluss der/die DarlehensnehmerIn während drei Jahren eine Dissertation schreibt und als AssistentIn arbeitet. Der Kanton trägt die Zinsen und Kosten während 8 Jahren. Danach trägt die Darlehensnehmerin/ der Darlehensnehmer die Zinsen und zahlt das Darlehen ratenweise in 6 Jahren zurück.
Der Regierungsrat des Kanton Bern rechnet bei einer allfälligen Umstellung von Stipendien auf Darlehen mit einem extrem hohen Verwaltungsaufwand. Nach 15 Jahren müssten im Kanton Bern ca. 33'000 Darlehen verwaltet werden, was neben einem effizienten EDV-System die Schaffung von ca. 20 Vollzeitstellen erforderlich machen würde. (6) Der VSS findet es unzulässig, dass die Kantone
ihren Finanzhaushalt auf Kosten von sozial Schwächeren
entlasten und dass sich junge Menschen für ein Studium
verschulden müssen. Umverteilung von unten nach obenEine Universität, die den Zugang für Personen aus weniger begüterten Familien erschwert, kommt einer Umverteilung von unten nach oben gleich, da die Universitäten ja zum grössten Teil mit Steuergeldern finanziert werden. Personen aus einkommensschwachen Familien kann der Zugang zu den Universitäten, die sie selbst mitfinanzieren, verwehrt bleiben. Der Staat bezahlt für ein Medizinstudium jährlich über 100'000 Franken. Die meisten Studierenden stammen aus wohlhabenden Verhältmissen und können deshalb das Angebot quasi gratis nutzen. Wenn jetzt ausgerechnet diejenigen mit wirtschaftlich schwachem Hintergrund ihre Ausbildung mit Schulden finanzieren sollen, ist das bloss noch "Scheinförderung" Der VSS ist der Meinung, dass eine Hochschule, die von allen finanziert wird, auch allen offenstehen muss. Verschärfung von sozialen UngleichheitenDie BefürworterInnen der Ersetzung von Stipendien
durch Darlehen sehen darin eine Förderung der
Eigenverantwortung, weil mit Darlehen in die eigene Zukunft
investiert wird. Wir sind jedoch der Meinung, dass der Staat
sich lediglich aus seiner Verantwortung als Garant für
das Recht auf Bildung herausstiehlt. Der VSS widersetzt sich einer weiteren Verschärfung der sozialen Ungleichheiten. 1. Soziale
Lage der Studierenden. Enquête représentative
auprès des étudiants des hautes écoles
suisses en 1995. Markus Diem Positionspapier des VSS, verabschiedet durch das Komitee, 5. Februar 2002 |