Erasmus+: Übergangslösung reicht nicht aus!

Medienmitteilung des VSS vom 19.09.2014

Die heute vom Bundesrat beschlossene Verlängerung der Erasmus-Übergangslösung ist ein erster Schritt. Sie stellt aber nur eine Minimallösung dar, die nicht garantiert, dass der studentische Austausch auch darüber hinaus funktionieren wird. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) fordert Bundesrat und EU auf, so schnell wie möglich eine stabile und langfristige Lösung zu finden. Ziel muss der Beitritt der Schweiz zu Erasmus+ sein.

Dass der Bundesrat bereits heute die Verlängerung der Übergangslösung beschliesst, war notwendig. Sie garantiert, dass nicht im Frühling 2015 erneut tausende Studierende nicht wissen, ob ihr geplanter Auslandsaufenthalt stattfinden kann. Allerdings reicht der heutige Beschluss nicht aus, um den Studierendenaustausch langfristig zu garantieren. „Wir fragen uns, was nach diesen zwei Jahren geschieht. Eine weitere Übergangslösung schafft Unsicherheit für die Studierenden und die Hochschulen“, sagt Dominik Fitze, Mitglied der Geschäftsleitung des VSS. „Eine langfristige Lösung kann nur der Beitritt zu Erasmus+ sein“.

Wie es um diesen steht, ist unklar. Der Bund hat es bisher versäumt, über den Stand der Verhandlungen zu informieren. Dass eine Lösung durchaus im Bereich des Möglichen liegt, zeigt die Teilassoziierung an Horizon 2020, die der Bund letzte Woche bekanntgab. „Der Bund muss nun die Verhandlungen über einen Erasmus-Beitritt so schnell wie möglich zu einem Abschluss bringen“, so Dominik Fitze weiter. „Nur dann kann wieder Ruhe in die Hochschulen einkehren. Die langfristige Sicherstellung der Teilnahme am europäischen Studierendenaustausch kann nur über den Beitritt zu Erasmus+ gelingen“.

Für weitere Informationen steht Ihnen die Geschäftsleitung des VSS gerne zur Verfügung.

Ständerat verhindert erneut die Harmonisierung der Stipendien

Medienmitteilung des VSS vom 15.09.2014

Der Ständerat hat heute über den indirekten Gegenvorschlag zur Stipendieninitiative debattiert. Er folgte nicht dem guten Beispiel des Nationalrates und verkannte die Notwendigkeit, die Stipendienhöhe zu vereinheitlichen. Der Gegenvorschlag besteht somit lediglich aus einigen formalen Kriterien, stellt jedoch keine wirkliche Verbesserung dar. Eine tatsächliche Harmonisierung auf Bundesebene bietet einzig die Stipendieninitiative des Verbandes der Schweizer Studierendenschaften (VSS).

Der Handlungsbedarf ist unumstritten. Zwischen den Kantonen gibt es erhebliche Unterschiede bei den Kriterien für den Zugang zu und die Bemessung der Stipendien. Die heutige Regelung ist unfair, weil die Nidwaldner Studentin eine viel kleinere Chance auf ein Stipendium hat und viel weniger Unterstützung bekommt als der Waadtländer Student, auch wenn sie an der gleichen Berner Fachhochschule studieren und ihre Familien gleich wenig Geld haben.

Die Stipendieninitiative des VSS will diese Missstände beheben. Für alle Personen in der höheren Berufsbildung, an einer Fachhochschule, einer ETH oder einer Universität sollen dieselben Regeln beim Zugang zu Stipendien und Darlehen gelten. Weshalb sich das Parlament gegen diese Forderung stellt ist unverständlich.

Der indirekte Gegenvorschlag wird dieses Ziel nicht erreichen. Nach mehreren Veränderungen haben wir heute einen Gegenvorschlag mit einem einzigen Element, das eine gewisse Harmonisierung ermöglichen würde: Die Festsetzung der Mindesthöhe für ein volles Stipendium. Der Nationalrat beharrt zu Recht darauf, diese Bestimmung ins Gesetz aufzunehmen – im Gegensatz zum Ständerat, der sie immer noch streichen will. Die unfairen Unterschiede zwischen den Kantonen bleiben damit bestehen.

Seit über 50 Jahren fordert der VSS vom Parlament, die Harmonisierung in die Hand zu nehmen und das ungerechte Stipendienwesen konkret zu verbessern. Es ist Zeit, diese Forderung der Studierenden endlich zu erfüllen.

Der VSS bittet den Nationalrat seiner Linie treu zu bleiben und sich nicht vom Ständerat beirren zu lassen. Die Schweiz muss die Stipendien harmonisieren, um Fairness beim Zugang zur Bildung herzustellen – weil Ausbildung Zukunft schafft!

Für weitere Informationen steht Ihnen die Geschäftsleitung des VSS gerne zur Verfügung.

Ungerechtfertigte Stipendienkürzungen im Kanton Wallis

Medienmitteilung des VSS vom 8. September 2014

Der Walliser Staatsrat hat heute beschlossen, die Stipendien und Darlehen um gesamthaft 1.2 Millionen Franken zu kürzen. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) findet, dass diese Streichung undemokratisch und unfair ist, da sie die Falschen trifft.

Der Entscheid kommt nur acht Monate, nachdem der Grosse Rat im Dezember 2013 ein ähnliches Anliegen bereits abgelehnt hat. Damals war eine Kürzung von 3.5 Millionen geplant. Zusätzlich werden nun auch noch die Beitragskriterien so angepasst, dass weniger Personen ein Stipendium erhalten.

Gerade Studierende aus dem Kanton Wallis absolvieren ihre Ausbildung meist ausserhalb ihres Kantons. Die Lebensunterhaltskosten sind somit höher. Kürzungen im Stipendienbereich treffen die Studierenden empfindlich. Viele sind auf die Ausbildungsbeiträge angewiesen, weil ihre Familien sie nicht genügend unterstützen können.

Gerade für Ausbildungen und Studiengängen, neben denen kaum gearbeitet werden kann, wie Medizin- und Ingenieursstudien, aber auch Berufsausbildungen an den höheren Fachschulen, bedeutet dies finanzielle Schwierigkeiten. Diese führen oft dazu, dass das Studium abgebrochen wird oder gar nicht erst begonnen wird.

Damit spart der Kanton Wallis effektiv bei den Falschen. Gerade so genannte MINT-Ausbildungen profitieren erheblich von Stipendien – also die naturwissenschaftlich-technischen Fächer, in denen heute tausende junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte fehlen.

Undemokratische Kürzung

Dass der Staatsrat nun diese Systemänderung eigenständig auf dem Verordnungsweg durchführt, ist unverständlich. Das Kantonsparlament hat erst kürzlich ähnliche Änderungen abgelehnt. Dass die Kantonsregierung diese nun in abgeschwächter Form durchsetzt, ignoriert diesen Parlamentsbeschluss. In einem demokratischen Kanton darf so etwas nicht passieren. Schlimmer noch: Eine Vernehmlassung zu den Änderungen wurde nicht durchgeführt, es konnte also keine öffentliche Diskussion über die gravierenden Kürzungen stattfinden.

Stipendieninitiative hilft

Letztendlich bedeutet der Walliser Staatsratsentscheid, dass sich die Stipendiensysteme der Kantone weiter auseinanderentwickeln. Dies bedeutet, dass das Stipendiengesuch der Walliser Materialwissenschaftsstudentin an der ETH Zürich nicht nach den gleichen Kriterien beurteilt wird wie das ihres Studienkollegen aus Bern. Diese Unfairness muss beendet werden.
Die Stipendieninitiative des VSS ändert das. Neu sollen für alle dieselben Zugangsregeln gelten – egal, aus welchem Kanton sie kommen. Dies gelingt, wenn die Vergabekriterien für alle Kantone einheitlich festgelegt werden. Die Initiative kommt voraussichtlich nächstes Jahr vor das Stimmvolk.

Für weitere Informationen steht Ihnen die Geschäftsleitung des VSS gerne zur Verfügung.

Wer die Abbruchquote ernst nimmt, stärkt Beratung und Stipendien

Ernst Buschor, ehemaliger Zürcher Bildungsdirektor, fordert gemäss der Schweiz am Sonntag Aufnahmeprüfungen für die Universitäten. Seine Forderung basiert auf der Abbruchsquote: 30% der Studierenden brechen ihr Studium ab. Zudem sei das Niveau der MaturandInnen ungenügend. Beide Forderungen basieren auf falschen Annahmen.

Dass die MaturandInnen die Anforderungen der Universitäten nicht mehr erfüllen, wird zwar immer wieder behauptet. Daraus abzuleiten, dass die Matura nicht mehr das Eintrittsbillet in die Hochschulen sein soll, ist aber falsch. Fast alle, die ein Gymnasium abgeschlossen haben und sich für die Uni oder ETH anmelden, beenden auch ein Studium erfolgreich. So schlecht kann es um die allgemeinbildenden Gymnasien also nicht bestellt sein. Gemäss der Studie „Studieren unter Bologna“ des Bundesamtes für Statistik brechen etwa 30% ein Studium ab. Als Grund gibt fast die Hälfte davon an, sie hätten den Sinn des Studiums nicht mehr gesehen. Ein Fünftel bricht wegen finanzieller Probleme ab. Nur 18% beendet das Studium wegen nichtbestandener Prüfungen.

Die meisten Abbrechenden nehmen denn auch ein anderes Studium auf und schliessen es erfolgreich ab. Das ist nicht verwunderlich. Denn das erste Jahr an der Universität ist für viele auch eine einschneidende Phase, in denen klar wird, dass das begonnene Studium nicht den inhaltlichen Erwartungen entspricht. Wer also etwas gegen die Abbruchquote machen will, muss anders vorgehen, als von Ernst Buschor vorgeschlagen. Einerseits muss die Information verbessert werden. Die Studiengänge müssen klar machen, was ihr Inhalt ist, damit die zukünftigen Studierenden von Anfang an das gewünschte Fach studieren. Andererseits muss die soziale Lage der Studierenden verbessert werden. Jedes Jahr verliert die Schweiz 5‘000 Uni- und ETH-Studierende, weil sie sich das Studium nicht länger leisten können.

Die Stipendieninitiative des VSS kann hier helfen. Denn heute sind die Kantone für finanzielle Ausbildungsbeihilfen zuständig – und ihre Stipendiensysteme unterscheiden sich teils massiv. Die Initiative will, dass alle, die ein Stipendium benötigen, schweizweit nach denselben Regeln beurteilt werden. Damit kann verhindert werden, dass ein Student aus Olten sein Materialwissenschaftsstudium mangels Stipendium beenden muss, während seine Kollegin aus Graubünden eines erhält.Deshalb kämpft der VSS auch nicht für ein Assessmentjahr überall, sondern für mehr Stipendien und bessere Beratung. Wer wirklich etwas gegen Studienabbrüche machen will, stärkt beides, anstatt am Prinzip des Hochschulzuganges mit Matura zu rütteln.