Chancengleichheit beim Zugang zur Hochschulbildung

Anlässlich der Aktionswoche gegen Bildungsabbau möchten wir erneut betonen, dass die Chancengleichheit im Bereich der Hochschulbildung noch immer nicht erreicht ist. Ob eine Person an einer Hochschule studieren kann, hängt zu oft davon ab, welche Herkunft, soziale Stellung und finanziellen Mitteln sie hat.

Deshalb begrüsst der VSS das Engagement der Studierenden, die sich in der Aktionswoche gegen Bildungsabbau für die Chancengleichheit eingesetzt haben. “In unseren Augen ist es beschämend, dass in einem Land wie der Schweiz Studierende einen Bildungsaufstand ausrufen müssen, um den allgemeinen Zugang zu etwas zu fordern, das allen zusteht.”, sagt Jonas Schmidt, Co-Präsident des VSS.

Wir fordern hiermit die Entscheidungsträger_innen in Politik, Kantonen und Hochschulen auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und zu handeln und stellen folgende Forderungen:

  • Die Studiengebühren an den Schweizer Hochschulen dürfen nicht erhöht werden.
  • Das Stipendienwesen muss mit verpflichtenden Auflagen für die Kantone harmonisiert werden.
  • Der Gebührenerlass nach Bedürftigkeitsprüfung soll an allen Schweizer Hochschulen eingeführt werden, solange die Studiengebühren nicht abgeschafft werden.
  • Die studentische Partizipation und Mitbestimmung an den Hochschulen muss weiter ausgebaut werden.
  • Bund und Kantone müssen in Zukunft entsprechend den steigenden Studierendenzahlen mehr Mittel zugunsten der tertiären Bildung und der Forschung zur Verfügung stellen.
  • Kontakt: Jonas Schmidt, Co-Präsident

    Stellungnahme zum Kommentar von Hansueli Schöchli, NZZ, 12.3.2018

    Sehr geehrter Herr Schöchli

    Mit Interesse haben wir die Berichterstattung bezüglich der nationalen Diskussion zu den Einsparungen im Hochschul- bzw. Bildungsbereich der Neuen Zürcher Zeitung der vergangenen Tage verfolgt. Dabei ist uns vor allem Ihr Kommentar “Schweizer Universitäten erhöhen ihre Semestergebühren – das ist kein Skandal” vom 12. März 2018 aufgefallen. Sie kritisieren die Finanzierung des Studiums durch den Staat und stellen die Studierenden der Schweizer Hochschulen als verwöhnte Schnösel Prestige strotzender Eltern dar, denen die Privilegien bereits in die Wiege gelegt werden. Hierzu möchte der Verband der Schweizer Studierendenschaften einige Richtigstellungen anbringen.

    Wie in Ihrem Kommentar vom 12. März richtig festgestellt wird, profitiert die Schweiz enorm von StudienabgängerInnen. Sie stellen nicht nur eine wichtige Steuerquelle für den Staat dar, sondern sind auch der Garant der ökonomischen Zukunft der Schweiz. Da der Schweiz ausgedehnte Rohstoffvorkommen fehlen, betonen Politikerinnen und Politiker immer wieder die Bedeutung des Innovationsstandorts Schweiz. Basis dafür ist eine gut ausgebildete Bevölkerung: die HochschulabsolventInnen sind ein essentielles wirtschaftliches Standbein der Schweiz. Wer an einer Hochschule studiert, weiss jedoch, wie beschwerlich der Weg zum Abschluss ist. Natürlich gibt es die privilegierten Akademikerkinder, die mit einer Studiengebührenerhöhung keinerlei Probleme haben, doch diese sind bei Weitem in der Minderheit. Bereits heute arbeitet ein Grossteil der Studierenden neben dem Studium, laut BFS sind es 75% [1]. In vielen Fällen sind die Studierenden im Servicebereich tätig oder in anderen Berufsfeldern, in denen sie keinesfalls Erfahrungen für die zukünftige Berufswelt sammeln: Es sind Jobs, die den Studierenden ihre Existenz sichern.

    Gebühren zwischen 1’000 und 4’000 Franken im Jahr mögen auf den ersten Blick nicht so hoch wirken. Doch die Studiengebühren stellen lange nicht die einzige finanzielle Herausforderung für Studierende dar. Das Stipendienwesen der Schweiz gleicht immer noch einer grossen Baustelle – je nach Kanton mag die Stipendiensituation akzeptabel sein oder aber desaströs, von fairen Bedingungen für ein Studium ist man weit entfernt. Bereits jetzt erhöhen mangelnde studentische Wohnangebote, steigende Kosten bei den öffentlichen Verkehrsmitteln und weitere Ausbildungskosten wie Bücher und Laborkosten den finanziellen Druck auf die Studierenden. Wie Sie in Ihrem Kommentar richtig feststellen, soll niemandem aus finanziellen Gründen ein Hochschulstudium verwehrt werden. Leider ist die Schweiz hiervon in der aktuellen Situation weit entfernt. Wenn das Stipendienwesen endlich genormt und stabil finanziert ist, wenn Lösungen für die angespannte Wohnsituation in den Städten gefunden sind und fair bezahlte Nebenjobs geschaffen worden sind, dann können wir wieder über Studiengebührenerhöhungen reden. Aber in der aktuellen Situation treffen sie die Ärmsten und treiben die Schweiz immer weiter vom Ideal der Chancengleichheit weg. Vielleicht können Sie, Herr Schöchli, dann in ein paar Jahren dafür über die privilegierten Studierenden wettern, weil nur noch sie es an die Hochschule schaffen – aber die Zukunft der Schweiz trägt dabei einen enormen Schaden davon.

    Freundliche Grüsse
    Der Verband Schweizer Studierendenschaften

    [1] https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bildung-wissenschaft/personen-ausbildung/soziale-wirtschaftlichelage-studierenden.html

    Stellungnahme VSS, 15.03.2018

    Runder Tisch „Studentisches Wohnen“


    Am 1. März 2018 haben Personen aus dem Fachbereich „Studentisches Wohnen“ gemeinsam mit studentischen Vertreter_innen die Problematik diskutiert und Lösungsvorschläge für die Zukunft ausformuliert.

    Der VSS möchte alle dafür zuständigen Stellen daran erinnern, dass geeigneter und bezahlbarer Wohnraum für einen erfolgreichen Studienabschluss notwendig ist.

    Mehr Details

    Nachhaltigkeitsexpert*innen fallen nicht vom Himmel.

      Eine gute Ausbildung erfordert, dass sich Studierende kritisch mit gesamtgesellschaftlichen Fragenstellungen auseinandersetzen können. Welche Kompetenzen sind für studentisches Engagement grundlegend? Wie können diese vermittelt werden? Weshalb sind sie auch in der späteren Berufspraxis relevant? Diese Fragen stehen am Sustainable University Day 2018 (22. März 2018), der Jahrestagung des Förderprogramms U Change, im Zentrum. Ziel dieser Tagung ist auch, die nötigen Rahmenbedingungen zu diskutieren, um Studierende in ihrem Engagement für eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen. Laufende U Change- und weitere BNE-Projekte dienen als Beispiele.

      Anmelden kann man sich noch bis am 15. März 2018 unter www.u-change.ch

    Revision des Aargauer Stipendiengesetzes

    Das neue Stipendiengesetz ist nicht vereinbar mit der Chancengerechtigkeit, deshalb empfiehlt der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) es zur Ablehnung.

    Am 4. März 2018 entscheidet das Stimmvolk des Kantons Aargau über die Änderung des Stipendiengesetzes. Die Änderung wurde durch den Beitritt des Aargaus in das interkantonale Stipendienkonkordat notwendig. Ein an und für sich begrüssenswerter Schritt.

    Jedoch hat sich der Grosse Rat entschieden, zusätzlich zu den für den Beitritt notwendigen noch weitere Änderungen am Gesetz vorzunehmen. Nun soll ein sogenanntes Splittingmodell eingeführt werden. Hierbei würden Ausbildungsbeiträge (neu) zu zwei Dritteln als Stipendien und zu einem Drittel als zinsloses Darlehen an Studierende ausbezahlt werden. Ausserdem soll der jährliche Höchstbeitrag der Stipendien von CHF 17’000 auf 16’000 reduziert werden, und Doktorierende anstatt Stipendien nur noch Darlehen erhalten.

    Gemeinsam mit dem VSUZH und dem Dachverband der Aargauer Schülerorganisationen stellt sich der VSS aus folgenden Gründen gegen die Einführung dieses Modells:

    • Viele Studierende würden dann neben dem Studium arbeiten, anstatt sich zu verschulden. Das Splittingmodell wird für sie somit zu einer Verlängerung der Studienzeit führen. Für den Kanton entstehen hierdurch sowie durch die Darlehensbewirtschaftung Mehrkosten an Stelle der erhofften Einsparungen.
    • Es widerspricht der Chancengerechtigkeit, wenn ausgerechnet die finanziell schlechter gestellten Studierenden sich verschulden müssen.

    Dieses Modell ist nicht vereinbar mit dem Ziel, Bildung für alle zugänglich zu machen. Es hält potentielle Studierende von einer Hochschulbildung ab und wirkt sich daher sowohl auf den Wohlstand der Betroffenen als auch auf die Wirtschaft des gesamten Kantons negativ aus. Die stärkere Fokussierung auf Darlehen ist ein Schritt in die falsche Richtung. Die Opportunitätskosten eines Studiums sind hoch, da während der Studienzeit auf Einkommen verzichtet wird. Die Studierenden dürfen nicht für die Sanierung des Staatshaushaltes aufkommen.

    Für weitere Informationen wenden Sie sich an
    Jonas Schmidt, Co-Präsident des VSS

    MM zur Revision des Aargauer Stipendiengesetzes