Wie es in einem Artikel der „Schweiz am Sonntag“ vom 7. April 2013 heisst, hatte ein Vize-Rektor der Universität Zürich eine Idee, auf das Problem der „schlechten Wahl“ der Studienrichtung zahlreicher Studierenden zu reagieren, indem er eine Leistungsüberprüfung nach den ersten beiden Studiensemestern fordert. Es soll bewertet werden, ob einE StudentIn das geforderte Niveau erreicht hat und ob sie oder er in der gewählten Studienrichtung weiterstudieren kann. Der VSS wehrt sich gegen ein derartiges Vorgehen, das die Chancengleichheit im Zugang zur Hochschulbildung zum wiederholten Mal in Gefahr bringt.

Es gibt Studierende, die sich in der Studienwahl irren und das Fach während dem Studium wechseln. Diese Wirklichkeit des studentischen Lebens scheint dem Vize-Rektor Otfried Jarren Probleme zu machen. Er schlägt deshalb vor, eine Leistungsüberprüfung der Studierenden, also eine Assessmentstufe einzuführen, um zu verhindern, dass die Studierenden zuviel Zeit in einem Fach verlieren, dass nicht zu ihnen passt. Diese Assessmentstufe soll selbstverständlich zu den bisherigen Leistungsüberprüfungen der einzelnen Veranstaltungen hinzukommen.

Dieser Vorschlag stellt das aktuelle System des Hochschulzuganges in der Schweiz auf sehr grundlegender Ebene in Frage. Mit der Einführung einer Assessmentstufe für alle Fächer möchte er die Befähigung und das Interesse der Studierenden am entsprechenden Fach sicherstellen. Vergessen geht dabei, dass wir für dieses Ziel bereits jetzt ein geeignetes Mittel haben. Das Absolvieren einer gymnasialen Matur oder einer Berufsmatur mit anschliessender Passarelle gewährleistet, dass die Studierenden die notwendigen Fähigkeiten mitbringen, um den Anforderungen an der Universität gerecht zu werden.

Die Einführung von Assessmentstufen ist unnötig. Fordert man derartige Überprüfungsmechanismen, unterstellt man den Ausbildungen auf Sekundärstufe II ungenügende Vorbereitung auf ein Universitätsstudium. Verbesserungspotential auf dieser Ebene gibt es verschiedentlich, unter anderem muss die bestehende soziale Selektion bereits zu diesem Zeitpunkt eliminiert werden. Es geht jedoch eindeutig zu weit, der gymnasialen Bildung die ausreichende Vermittlung von Inhalten und Kompetenzen grundsätzlich abzusprechen: „Die Matura ist geeignet, die Studierenden auf ein Studium vorzubereiten und muss Eintrittsbillett für die Hochschulen bleiben“ sagt Manuela Hugentobler, Vorstandsmitglied des VSS.

Eine Phase der Orientierung der Studierenden an der Hochschule ist unvermeidlich und einer vertieften Auseinandersetzung mit der Materie, den eigenen Fähigkeiten, Neigungen und Zukunftsperspektiven förderlich. Ausserdem müssen schon vor der Aufnahme eines Studiums genügend Informationen zur Verfügung stehen, so dass der Entscheid auf einer guten Grundlage gefällt werden kann – hier sind die Bildungsinstitutionen auf allen Ebenen gefordert, die SchülerInnen dabei zu unterstützen.

Vize-Rektor Jarren argumentiert mit überfüllten Hörsälen, verlorenen Semestern und enttäuschten Studierenden, um seinen Vorschlag zu rechtfertigen. Diese Argumente sind nicht überzeugend: Was passiert denn mit den Studierenden, die es nicht schaffen, das Assessment erfolgreich abzuschliessen? Studieren sie ein anderes Fach? An einer anderen Universität? Andere Studienfächer würden überrannt, es würde eine Klassifizierung der einzelnen Studiengänge stattfinden und die Studierenden könnten ihre Wahl nicht mehr auf Neigungen und Fähigkeiten basieren sondern auf die Möglichkeit, den Zulassungsbedingungen zu genügen. Die freie Wahl wird bereits jetzt zu stark beeinträchtigt: Unflexible Studienpläne, Zugangsbeschränkungen, uneinheitliche Stipendiengesetzgebungen, Studiengebührenerhöhungen usw. Es ist unnötig und gefährlich, noch zusätzliche Hürden einzuführen.

Der VSS fordert das Rektorat der Universität Zürich auf, auf die Einführung von Assessments zu verzichten, die Maturität als Befähigungsausweis für ein Hochschulstudium anzuerkennen und über bessere Kommunikation und Information über ihre Studienprogramme nachzudenken, um den zukünftigen Studierenden zu ermöglichen, ihr Fach frei und selbstverantwortlich in Kenntnis aller notwendigen Informationen zu wählen.