VSS unterstützt die Mobilisierung der Studierenden in Genf

Der VSS hat erst kürzlich zu den Sparmassnahmen und deren negative Auswirkungen auf die Qualität der Bildung Stellung genommen. In diesem Sinne unterstützt der Verband die momentane Mobilisierung der Studierenden in Genf und deren Kampf für die Erhaltung der Qualität der öffentlichen Dienste. Wir begrüssen die Massnahmen der CUAE und anderer Studierendenvereinigungen.

Keine Nachteile durch Sparmassnahmen – auf allen Ebenen. Denn Bildung ist die Zukunft der Schweiz!

Für den VSS,
Melanie Gut (de)
Sarah Burckhardt (fr)

ECOPOP-Initiative: Konsequenzen für Bildung und Forschung

Unsere Studierenden, unsere Forschenden, und damit auch unsere Gesellschaft profitieren von der internationalen Mobilität und dem Austausch von Wissen, Kultur und Sprache. Der Austausch ermöglicht es dem schweizerischen Bildungs- und Forschungssystem, sich weiterzuentwickeln, qualitativ hochwertige Bildung anzubieten und Wissen auszutauschen. Wenn die Ecopop-Initiative angenommen wird, wird die Bildungsvielfalt in der Schweiz stark eingeschränkt und unsere Studien- und Forschungsprogramme im internationalen Hochschulraum werden gefährdet. Da die internationale Mobilität eingeschränkt werden würde, nähmen wir auch Personen mit Schweizer Bildungsabschluss die Möglichkeit, im Ausland wertvolle Berufs- und Forschungserfahrung zu sammeln und in die Schweiz zurückzutragen. Die Isolation der Schweiz wird unseren Bildungsstandort nachhaltig schädigen. Bildung und Forschung halten sich an keine Landesgrenzen, sondern entwickeln sich massgeblich in globaler Zusammenarbeit. Zum Beispiel hat Alexander Graham Bell das Telefon zwar erfunden, was jedoch nur möglich war dank Grundlagen und Zusammenarbeiten mit Forschern aus anderen Staaten wie Deutschland, Italien, England und den Vereinigten Staaten. Zu Glauben, dass lernen, lehren und forschen im stillen Kämmerchen erfolgreich sei, bleibt illusorisch.

Alleine an unseren Universitäten, Eidgenössischen Technischen Hochschulen, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen lehren und forschen nach Bundesamt für Statistik circa 75‘000 Personen . An den Universitäten haben wir bei den Professorinnen und Professoren, Doktorierenden und Dozierenden einen Ausländeranteil von fast 50%. Durch eine solch massive Einschränkung der Einwanderung im Falle einer Annahme der Ecopop-Initiative würde unser Bildungssystem einstürzen. Wir könnten beispielsweise bedeutend weniger Mediziner, Hebammen, Lehrer, Informatikerinnen und Agrarwissenschaftlerinnen ausbilden, weil uns Personen mit Know-how, Wissen und Lehrbefähigung fehlen würden.

Auch dank dem internationalen Austausch in Bildung, Forschung und Gesellschaft steht die Schweiz da, wo sie heute steht. Die Annahme der ECOPOP-Initiative wäre ein Rückschritt.

Weil Ausbildung Zukunft schafft!

Für weitere Informationen steht Ihnen die Geschäftsleitung des VSS gerne zur Verfügung.

Wer die Abbruchquote ernst nimmt, stärkt Beratung und Stipendien

Ernst Buschor, ehemaliger Zürcher Bildungsdirektor, fordert gemäss der Schweiz am Sonntag Aufnahmeprüfungen für die Universitäten. Seine Forderung basiert auf der Abbruchsquote: 30% der Studierenden brechen ihr Studium ab. Zudem sei das Niveau der MaturandInnen ungenügend. Beide Forderungen basieren auf falschen Annahmen.

Dass die MaturandInnen die Anforderungen der Universitäten nicht mehr erfüllen, wird zwar immer wieder behauptet. Daraus abzuleiten, dass die Matura nicht mehr das Eintrittsbillet in die Hochschulen sein soll, ist aber falsch. Fast alle, die ein Gymnasium abgeschlossen haben und sich für die Uni oder ETH anmelden, beenden auch ein Studium erfolgreich. So schlecht kann es um die allgemeinbildenden Gymnasien also nicht bestellt sein. Gemäss der Studie „Studieren unter Bologna“ des Bundesamtes für Statistik brechen etwa 30% ein Studium ab. Als Grund gibt fast die Hälfte davon an, sie hätten den Sinn des Studiums nicht mehr gesehen. Ein Fünftel bricht wegen finanzieller Probleme ab. Nur 18% beendet das Studium wegen nichtbestandener Prüfungen.

Die meisten Abbrechenden nehmen denn auch ein anderes Studium auf und schliessen es erfolgreich ab. Das ist nicht verwunderlich. Denn das erste Jahr an der Universität ist für viele auch eine einschneidende Phase, in denen klar wird, dass das begonnene Studium nicht den inhaltlichen Erwartungen entspricht. Wer also etwas gegen die Abbruchquote machen will, muss anders vorgehen, als von Ernst Buschor vorgeschlagen. Einerseits muss die Information verbessert werden. Die Studiengänge müssen klar machen, was ihr Inhalt ist, damit die zukünftigen Studierenden von Anfang an das gewünschte Fach studieren. Andererseits muss die soziale Lage der Studierenden verbessert werden. Jedes Jahr verliert die Schweiz 5‘000 Uni- und ETH-Studierende, weil sie sich das Studium nicht länger leisten können.

Die Stipendieninitiative des VSS kann hier helfen. Denn heute sind die Kantone für finanzielle Ausbildungsbeihilfen zuständig – und ihre Stipendiensysteme unterscheiden sich teils massiv. Die Initiative will, dass alle, die ein Stipendium benötigen, schweizweit nach denselben Regeln beurteilt werden. Damit kann verhindert werden, dass ein Student aus Olten sein Materialwissenschaftsstudium mangels Stipendium beenden muss, während seine Kollegin aus Graubünden eines erhält.Deshalb kämpft der VSS auch nicht für ein Assessmentjahr überall, sondern für mehr Stipendien und bessere Beratung. Wer wirklich etwas gegen Studienabbrüche machen will, stärkt beides, anstatt am Prinzip des Hochschulzuganges mit Matura zu rütteln.

Nationalrat spricht sich für rasche Mitgliedschaft der Schweiz an Erasmus+ und Horizon 2020 aus

Medienmitteilung des VSS vom 12. Juni 2014

Der Nationalrat hat in seiner heutigen Sitzung eine Motion angenommen, welche den Bundesrat dazu auffordert, die notwendigen Mittel zu ergreifen um die Schweiz so schnell wie möglich am Austauschprogramm Erasmus+ und dem Forschungsprogramm Horizon 2020 anzubinden. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) begrüsst den Willen der Politik, schnell wieder Mitglied beider Programme zu werden.

Der Nationalrat hat heute am 12. Juni 2014 eine Motion der WBK-N mit dem Titel „Erasmus plus und Horizon 2020. Klarheit für Studierende, Forscher, Hochschulen und Unternehmen schaffen“ angenommen. Diese Motion zielt hauptsächlich darauf ab, die Konsequenzen welche die Suspendierung der Verhandlungen über den Beitritt der Schweiz zu den Programmen Erasmus+ und Horizon 2020 hatten, abschätzen zu können. Gleichzeitig soll der Bundesrat dazu bewegt werden, alle notwendigen Massnahmen zu ergreifen um eine schnell die Mitgliedschaft der Schweiz bei beiden europäischen Programme zu erreichen und die negativen Auswirkungen der Nicht-Mitgliedschaft aufzufangen. Nachdem am 9. Februar 2014 die Masseneinwanderungsinitiative vom Schweizer Volk angenommen wurde, hat die europäische Kommission die Verhandlungen über die Partizipation der Schweiz an den Programmen Erasmus+ und Horizon 2020 sistiert. Da die Personenfreizügigkeit eine der grundlegenden Bedingungen für die Teilnahme an diesen Programmen war, gleichzeitig aber mit dem Inhalt der Initiative in Widerspruch stand, hat die Schweiz die Konditionen für einen vollständigen Beitritt zu Erasmus+ und Horizon 2020 nicht mehr erfüllt.

Der VSS freut sich sehr über den Ausgang der Abstimmung im Nationalrat. Damit wurde sowohl ein starkes Zeichen im Sinne einer Anerkennung der Wichtigkeit der Internationalisierung in der Schweizer Hochschullandschaft gesetzt als auch die Rolle der Schweiz bei der Bildung und Entwicklung eines europäischen Hochschulraumes gewürdigt. Nebst einem schnellen Beitritt zu Erasmus+ und Horizon 2020 fordert die Motion explizit, in der aktuellen Situation Klarheit für alle Betroffenen zu schaffen. Dieses Anliegen ist auch aus Sicht des VSS zwingend notwendig, da die bis heute ergriffenen Massnahmen nicht ausreichen und etwas zu spät kamen. Viele Personen, darunter Studierende, Auszubildende, Junge, mussten auf einen Austausch verzichten – die Folgen für ihre Laufbahn sind noch unbekannt. Ein schnellstmöglicher Beitritt muss das Ziel des Bundesrats sein um die Zukunft der Schweiz als Wissens- und Forschungsplatz zu sichern.

Der VSS begrüsst die Entscheidung des Nationalrates und hofft, dass der Ständerat ebenfalls die Notwendigkeit einer schnellen Anbindung der Schweiz an die zwei Programme Erasmus+ und Horizon 2020 erkennen wird.