Medienmitteilungen

Seite 7 von 55

Zum Anlass des Weltstudierendentags, der jeden 17. November gefeiert wird, unterstreicht der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) die Notwendigkeit, den Studierenden zuzuhören. Er erinnert auch an die Studierenden in der ganzen Welt, die jeden Tag, mitunter auch in Angst um Leib und Leben, für den Zugang zu Bildung kämpfen.

Der Weltstudierendentag gedenkt der Studierenden, die im Jahre 1939 in Prag gegen den Einmarsch der Nationalsozialisten in der Tschechoslowakei demonstrierten. Die Proteste wurden von den Nazis blutig niedergeschlagen, neun Studenten hingerichtet, über Tausend Studierende in Konzentrationslager gebracht. Daraufhin schlossen die Nazis alle tschechischen Universitäten. Das war vor 77 Jahren. Repressionen gegen Studierende und wofür sie stehen – kritisches Denken, Teilhabe am demokratischen Leben – sind jedoch nicht nur Vergangenheit.

Die Situation in der Schweiz ist nicht vergleichbar mit der im November 1939 in Prag. Aber auch eine Regierung, die unter dem Vorwand des Sparens als erstes die Budgets der Hochschulen kürzt, beschränkt den Zugang zur Universitas, zur Gemeinschaft des Wissens, zur Welt. Sie verwehrt so den Zugang zu Bildung, zu Wissen und somit zur Möglichkeit, die Stimme zu erheben. Der Entscheid von Sparmassnahmen in der Bildung ist folglich nie harmlos, stete Wachsamkeit ist hier verlangt. Der VSS fordert, dass die Bildung nicht mehr die beliebteste Zielscheibe der PolitikerInnen auf der ganzen Welt ist. Denn wir brauchen zukünftige Generationen, die qualifiziert, ausgebildet und offen sind.

Studierende dürfen nicht einfach als wirtschaftliche Last oder als unangenehme Kritikerinnen und Kritiker abgetan werden. Sie sind der Nachwuchs, ihnen sollte die Zukunft gehören. Im aktuellen politischen Klima, in dem die Politik mit den Ängsten der Menschen spielt, ist es dringend nötig, sich daran zu erinnern, dass Bildung ein wichtiges Gut und ein grundlegender Wert für die Schweiz und die Welt ist. Ohne Bildung gibt es keine Demokratie – das ist keine neue Erkenntnis: Autoritäre Regimes beginnen mit der Schliessung der Hochschulen und um Widerstand zu unterdrücken, werden Studierende und deren ProfessorInnen eingesperrt. In Brasilien, in Mexiko, in Südafrika, in Syrien in der Türkei; es gibt viele Beispiele für Studierende, die für ihr Recht auf Bildung kämpfen.

„An diesem internationalen Tag der Studierenden fordern wir die Schweizer Politik auf, sich der Bedeutung der Bildung in der Schweiz und der Tragweite der jüngsten Spar- und Abbaurunde im Hochschulbereich bewusst zu werden“ sagt Gabriela Lüthi vom VSS. Noch ist es nicht zu spät für einen Paradigmenwechsel gegen die systematische Einschränkung des Bildungszugangs. „Im Namen aller Studierenden, die täglich dafür kämpfen, studieren zu können: Hören sie auf die Stimmen der Betroffenen!“

Kontakt: Gabriela Lüthi
MM Students Day

Inmitten der Basler Herbstmesse haben sich am 12. und 13. November Studierende zur 167. Delegiertenversammlung des Verbands der Schweizer Studierendenschaften (VSS) getroffen. Verabschiedet haben die Delegierten unter anderem ein Positionspapier über den Hochschulzugang für studentische Geflüchtete. Gefordert wird, dass potentielle Studierende unter den Geflüchteten möglichst früh im Asylprozess erkannt werden und dass ihnen anschliessend keine weiteren und besonderen Hürden in den Weg gestellt werden.

Seit ungefähr einem Jahr führt der VSS das Flüchtlingsprojekt „Perspektiven–Studium“, das studierfähigen Geflüchteten beim Zugang zu Hochschulen Hilfe leisten will. Das Positionspapier zu dieser Thematik gibt zum einen Überblick über die aktuelle Lage von potentiellen studentischen Geflüchteten, zum anderen stellt es verschiedene Forderungen an die Hochschulen, die Kantone und den Bund. Nebst dieser theoretischen Grundlage organisiert der VSS auch Schulungen für Mentorinnen und Mentoren an verschiedenen Hochschulen. Diese Studierenden aus der Schweiz stehen dann geflüchteten Studierenden beim Studium oder dem Schnuppersemester zur Seite, um eine erfolgreiche Integration in die Hochschule sicherzustellen.

Ebenfalls verabschiedet wurde eine Resolution zu Studium und Erwerbsarbeit. Bekanntlich gehen drei Viertel aller Studierenden neben ihrem Studium einer Erwerbstätigkeit nach. Oft auch, weil das Geld gebraucht wird und das Stipendienwesen in der Schweiz noch immer ungenügend ist. Der VSS möchte nun, dass studieren sowohl Teilzeit wie auch Vollzeit möglich ist, um den unterschiedlichen Bedürfnissen, Lebensbedingungen und Wünschen von Studierenden Rechnung zu tragen. Die Delegierten haben auch die Themenfelder der Verbandsarbeit festgelegt, das Budget verabschiedet und den neuen Vorstand gewählt.

Organisiert wurde die Delegiertenversammlung von der skuba, der studentischen Körperschaft der Universität Basel. Diese Tatsache ist besonders erfreulich, wurde doch noch vor einem Jahr über den Austritt oder den Verbleib diskutiert. Bekanntlich stimmte eine grosse Mehrheit der Studierenden der Universität für den Verbleib im VSS. Auch die Studierenden der Universität Lausanne haben Anfang dieses Monats in einer Urabstimmung ihren Willen zum Verbleib im nationalen Dachverband geäussert. Die deutlichen Resultate zeigen, dass den Studierenden eine nationale Interessenvertretung, wie sie der VSS seit bald hundert Jahren macht, wichtig ist.

Kontakt:
Gabriela Lüthi

MM 167. DV

Nationalrat will doch mehr Mittel für Hochschulen

Der Nationalrat beriet am Donnerstag ein zweites Mal über die BFI-Botschaft 2017-2020. Dieses Mal entschied der Nationalrat, die Mittel für die Hochschulen und die höhere Berufsbildung zu erhöhen und bereinigte damit diese Divergenzen zum Ständerat. Für den Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) fällt die BFI-Botschaft insgesamt sehr enttäuschend aus, da wider Versprechen während der Stipendieninitiative die Bundesbeiträge für Stipendien nicht erhöht wurden.

Der Rahmenkredit für die Bereiche Bildung, Forschung und Innovation ist zu knapp berechnet – auch mit den zusätzlichen Mitteln, die den Hochschulen sowie der höheren Berufsbildung zur Verfügung gestellt werden, so wie es zu Beginn der Woche der Ständerat und am Donnerstagvormittag der Nationalrat beschlossen. Anders als der Bundesrat behauptet, kommt sein vorgelegter Vorschlag einem Abbau im Hochschulbereich gleich. Dass dieser Bereich gleichzeitig auch durch die nationale und kantonale Sparmassnahmen belastet ist, erschwert und destabilisiert die Arbeit im Tertiärbereich weiter. Da aber Bildung die wichtigste Ressource der Schweiz ist, und sich Bildung überdies für den Staat finanziell auch lohnt, ist es nur sinnvoll und konsequent in sie zu investieren.

„Besonders enttäuschend ist die BFI-Botschaft für Studierende und mögliche zukünftige Studierende, die finanzielle Unterstützung brauchen“, sagt Gabriela Lüthi vom VSS. Während der Stipendieninitiative bestand ein breiter Konsens über die Notwendigkeit von Stipendien für einen fairen Bildungszugang. Auch aufgrund der grossen kantonalen Unterschiede bei der Vergabe von Stipendien, ist die Chancengleichheit immer noch nicht gewährleistet. Das kantonale Stipendienkonkordat, das acht Kantone bis heute nicht unterzeichnet haben, sichert eine gewisse Harmonisierung. Seit diesem Jahr erhalten nur noch Kantone, welche die Mehrheit des Stipendienkonkordats umsetzen, Bundesbeiträge für die Stipendien. Damit hätte der Bund die Möglichkeit gehabt, mit einer deutlichen Erhöhung der Subventionen an die Kantone das Stipendienkonkordat und somit Harmonisierung zu unterstützten. Gabriela Lüthi erklärt: „Der Ständerat und Nationalrat haben es verpasst, sich für mehr Chancengleichheit im Bildungszugang einzusetzen.“

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Gabriela Lüthi

MM BFI Botschaft Nr2

Auch Ständerat knausert bei Stipendien

Der Ständerat begann die Herbstsession mit Debatten und Entscheidungen über die BFI-Botschaft 2017-2020. Dabei zeigte er sich dem Bereich der Berufsbildung, den ETH, den Universitäten und den Fachhochschulen etwas grosszügiger als der Nationalrat, legt dem tertiären Bildungsbereich insgesamt aber auch ein Spar- und Abbauprogramm auf. Des Weiteren stimmte die Mehrheit der Ständerätinnen und Ständeräte gegen die Erhöhung der Bundesbeiträge für Stipendien. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) kritisiert diesen Entscheid. Damit wird erneut kein Schritt in Richtung Chancengleichheit im Bildungsbereich gemacht.

Die Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation legt für eine vierjährige Periode die Rahmenkredite des Bundes für die höhere Berufsbildung und die Hochschulen sowie Gesetzesänderungen in diesem Bereich fest. Der Nationalrat stellte sich in der Sommersession vollumfänglich hinter den bundesrätlichen Vorschlag, der weit weniger Mittel zur Verfügung stellte, als noch wenige Monate zuvor geplant war und als von den VertreterInnen empfohlen wurde. Besonders empfindlich treffen diese Einsparungen den Bildungsbereich, weil dieser überproportional von nationalen und kantonalen Spar- und Abbauprogrammen betroffen ist. Der Ständerat als Zweitrat sprach nun mehr Gelder für die Berufsbildung, die ETH, die Universitäten und die Fachhochschulen. Er entschied sich aber dagegen, die Förderung des Bildungszugangs von Personen aus finanziell schwachen Familien in Form von Stipendien zu unterstützen.

Im Rahmen der Stipendieninitiative, die der VSS eingereicht hatte, wurde in den vergangenen Jahren vermehrt über das Stipendienwesen der Schweiz gesprochen. PolitikerInnen und das Volk waren sich einig, dass Stipendien für die Chancengleichheit unverzichtbar sind. Sie bevorzugten mehrheitlich aber eine interkantonale Lösung gegenüber der Stipendieninitiative. Das interkantonale Stipendienkonkordat, dem bis heute acht Kantone noch nicht beigetreten sind, könnte durch die Erhöhung der Bundesbeiträge an die Kantone für Stipendien unterstützt werden. Seit diesem Jahr erhalten nämlich nur noch die Kantone, welche die meisten Punkte des Stipendienkonkordats umsetzen, Bundessubventionen. Die BFI-Botschaft wäre daher die perfekte Möglichkeit, die Kantone zur nötigen Harmonisierung anzuregen. Dass der Bund aber wieder nur 25 Millionen für die kantonalen Stipendien zur Verfügung stellen will – wie er es seit 2007 trotz stetig wachsenden Studierendenzahlen macht – ist für die Kantone kein Anreiz, ihr Stipendiensystem auszubauen und fairer zu gestalten.

Der Ständerat hat ausserdem stillschweigend eine Änderung im ETH-Gesetz angenommen, die es erlaubt, von ausländischen Studierenden dreimal höhere Studiengebühren als von Schweizer Studierenden zu verlangen. Diese Diskriminierung sendet zum einen ein falsches Signal zu einem Zeitpunkt, in dem die Schweiz wichtige Abkommen mit der EU verhandelt. Zum anderen wird die Erhöhung der Studiengebühren die Finanzen der Hochschulen nicht deutlich erhöhen, da die Studiengebühren nur einen kleinen Teil eines Hochschulbudgets ausmachen. Eine weitere Erhöhung der Studiengebühren kann Studierende oder zukünftige Studierende aufgrund ihrer finanziellen Lage dazu bewegen, ein Studium abzubrechen, zu unterbrechen oder nicht aufzunehmen. Der VSS verteidigt eine Vision, die Bildung als öffentliches Gut sieht. Bildung auf allen Stufen ist essentiell für eine funktionierende, demokratische Gesellschaft. Folglich ist es auch Aufgabe der öffentlichen Hand, die Finanzierung der Bildung und Forschung zu gewährleisten und für Chancengleichheit im Bildungszugang zu sorgen. Investitionen in die Bildung machen sich in vieler Hinsicht bezahlt. In Bildung, unserer wertvollsten Ressource, muss investiert werden!

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Josef Stocker

MM BFI-Botschaft

Drittmittel, seien sie privat oder öffentlich, führen seit Jahren zu Diskussionen in der Hochschulpolitik. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) verfolgt die Entwicklung der Drittmittelfinanzierung von Hochschulen und hat kürzlich auf deren Konsequenzen in der Wirtschaftsfakultät der Universität Luzern aufmerksam gemacht. Um die Freiheit und Unabhängigkeit der Lehre und Forschung zu wahren, müssen sie durch die öffentliche Hand finanziert werden, wie der VSS in seinem Positionspapier verlangt.

Mittel, die von Dritten für die Lehre oder die Forschung bereitgestellt werden, sind sehr problematisch, können sie doch die Freiheit und Unabhängigkeit der Hochschulen gefährden. Denn
ein Unternehmen, das mit einer Hochschule eine Parnterschaft eingeht, kann die Wahl von Professoren, Kursinhalten oder Forschungsschwerpunkten beeinflussen, kann die Publikation von
Forschungsresultaten verhindern -­ Die Konsequenzen davon bei einer medizinischen oder pharmakologischen Studie können sich alle vorstellen.

In einem Land wie der Schweiz mit wenig natürlichen Rohstoffen ist die Qualität der Bildung und Forschung umso bedeutender. Auf internationaler Ebene sind die Ausbildungen der Schweizer Universitäten, Fachhochschulen und Eidgenössischen Technischen Hochschulen angesehen. Aber Qualität bringt auch Kosten mit sich und diese Kosten müssen von der öffentlichen Hand gedeckt werden. Leider aber wird diese Vorstellung nicht von allen geteilt. So gibt es sowohl auf kantonaler als auch nationaler Ebene Spar-­ und Abbauprogramme, von denen der Bildungsbereich besonders getroffen wird. Hinzu kommt, dass in der BFI-­Botschaft für die Jahre 2017-­2020 vom Nationalrat nicht ausreichend Mittel für die Hochschulen zur Verfügung gestellt wurden -­ der VSS hofft, dass der Ständerat diese Entscheidung korrigiert und die Grundfinanzierung der Hochschulen erhöht.

Die Forschung und Lehre in der Schweiz sind unter Druck gesetzt: Zum einen leiden diese Bereiche unter den Spar-­ und Abbaumassnahmen von Kantonen und Bund, zum anderen soll die Grundfinanzierung des Bunds für die Forschung erst gesprochen werden, wenn bereits Drittmittel fliessen. Die totalrevidierte Verordnung zum Hochschulförderungs und -­kooridnationsgesetz (V-­HFKG) sieht vor, dass die Bundessubventionen für die kantonalen Universitäten und die Fachhochschulen im Bereich der Forschung auf Grund der erworbenen öffentlichen oder privaten Drittmittel verteilt werden. Für den Schweizer Gesetzgeber ist also nicht die Qualität oder die Wichtigkeit möglicher Forschungsresultate das relevante Kriterium, sondern lediglich ob die Forschung für Privatfirmen oder öffentliche Stiftungen von Intresse sind.

Der VSS hat ein Positionspapier zur Problematik der Drittmittel verfasst. Sie möchte die Stellungnahme verbreiten, damit sich alle ein Bild über die Konsequenzen von Partnerschaften machen können, wie sie zum Beispiel zwischen Novartis und der Universität Basel, der ETH Lausanne und der ETH Zürich in der biomedizinischen Forschung bestehen. Auch bekannt ist, dass Merck-­Serono mit der ETH Lausanne einen Vertrag hat, welcher der Firma ein Recht gibt, die Forschungsresultate einzusehen. Diese Situationen sind nicht normal und es ist Zeit, dass die politischen Akteurinnen und Akteure die Verantwortung für die Hochschulfinanzierung übernehmen. Wenn die Schweiz ihren guten Ruf bewahren will, wenn unser Präsident auch in den nächsten 1. August-­Reden die Qualität der Bildung und der Forschung in der Schweiz preisen will, müssen auf die Worte auch Taten folgen. Namentlich müssen die Kantone und der Bund die Finanzierung der Bildung übernehmen und dürfen diese Aufgaben nicht an an Privatunternehmen oder öffentliche Stiftungen delegieren. Es ist ihre Aufgabe, den wichtigsten Rohstoff der Schweiz zu verteidigen: die Bildung und die Forschung.

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Gabriela Lüthi

Positionspapier Drittmittel

MM Drittmittel