Medienmitteilung des VSS vom 22. November 2013

Die Junge SVP des Unterwallis (Jeunes UDC du Valais romand, Jeunes UDCVR) verlangt auf ihrer Homepage mehr Darlehen als Stipendien für Walliser Studierende. Sie haben nicht erkannt, dass Darlehen dem Zugang zur Bildung für Personen mit schwächerem sozio-ökonomischem Hintergrund entgegenstehen. Das Wissen um eine Verschuldung auf Jahrzehnte hinaus schreckt Personen davon ab, ihre Ausbildung an einer Hochschule in Angriff zu nehmen. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) ist gegen diese Forderung der JUDCVR und beharrt darauf, dass mit Darlehen die Chancengleichheit im Zugang zur Bildung nicht garantiert wird.

Die Regierung des Kantons Wallis schlägt dem Grossen Rat ein Budget für 2014 vor, das Kürzungen im Stipendienwesen von 3.5 Millionen, von 19.7 Mio auf 16.2 Mio Franken, vorsieht. Weniger Personen werden Stipendien beziehen können und die Stipendienbeträge werden gesenkt. Der Jungen SVP des Unterwallis scheint dies genehm zu sein. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter und fordern, einzig Darlehen an Personen mit schwächerem sozio-ökonomischem Hintergrund zu vergeben.

Es ist Staatsaufgabe, für einen chancengerechten Zugang zur Bildung zu sorgen. Personen mit den entsprechenden Fähigkeiten und Neigungen sollen unabhängig von ihrem sozio-ökonomischen Hintergrund eine Ausbildung machen können. Darlehen sind das denkbar schlechteste Mittel den Zugang zur Bildung zu sichern. Wer beginnt eine Ausbildung, im Wissen darum, dass nach deren Abschluss ein Schuldenberg abzutragen ist? Möchte die Junge SVP des Unterwallis auf fähige Personen verzichten und somit den Innovations- und Technologiestandort Schweiz schwächen?

Gerade Studierende aus dem Kanton Wallis absolvieren ihre Ausbildung ausserhalb ihres Kantons, da das Wallis über keine universitäre Hochschule verfügt. Die sich daraus ergebenden höheren Lebensunterhaltskosten bedingen somit höhere Ausbildungsbeiträge. sind somit höher. Vergibt man nur Darlehen, baut man eine ganze Generation aus hochqualifizierten Personen mit einem enormen Schuldenberg auf.

Auch haben Darlehen einen Einfluss auf die freie Studienwahl. Das Studienfach wird nicht mehr nach Fähigkeiten und Neigungen ausgewählt, sondern nach Wirtschaftlichkeit. Mélanie Glayre, Vorstandsmitglied des Verbandes der Schweizer Studierendenschaften, sagt: „Die Gefahr besteht darin, dass es bei der Wahl des Studienfaches nur noch darum geht, mit welchem Abschluss man schnellstmöglich sein Darlehen abstottern kann. Dies gefährdet die Diversität der Schweizer Bildungs- und Forschungslandschaft“. An die realen Lebensunterhaltskosten angepasste staatliche Stipendien garantieren den Zugang zur Bildung für Personen mit einem schwachen sozio-ökomischen Hintergrund. Sie können sich ohne Zukunftsängste der Ausbildung widmen.

Der VSS setzt sich für ein chancengerechtes Stipendienwesen ein. 2012 wurde die Stipendieninitiative eingereicht. Sie fordert eine schweizweite Harmonisierung sowohl für die Kriterien zur Stipendienvergabe als auch für die Betragshöhe. Ein Stipendium soll subsidiär zur allfälligen familiären Unterstützung und Erwerbstätigkeit den minimalen Lebensunterhalt absichern.

Wir fordern die Junge SVP des Unterwallis dazu auf, ihre Position zu überdenken und sich der Risiken, welche Darlehen für den Innovations- und Technologiestandort Schweiz bedeuten, bewusst zu werden. Als Jungpartei hat sich die Junge SVP um die Jugend zu kümmern anstatt sie aufs Spiel zu setzen. Der VSS appelliert an den Grossen Rat des Kantons Wallis, dass er sich für ein chancengerechtes Bildungssystem einsetzt und Kürzungen im Stipendienbereich ablehnt!
Weil Ausbildung Zukunft schafft!