Schweizer Hochschulen sind für studentische Geflüchtete, trotz vorhandener Qualifikationen, nur schwer zugänglich, sei es um ein Studium aufzunehmen oder ein durch die Flucht unterbrochenes Studium fortzuführen. Zu den hohen Zulassungshürden der Hochschulen (Sprachniveau, fehlende / nicht anerkannte Diplome, ungenügende Anerkennung der Bildungsvorkenntnisse, Finanzierung etc.) kommt hinzu, dass im Rahmen des Integrationsprozesses der tertiäre Bildungsweg für qualifizierte Geflüchtete grundsätzlich nicht vorgesehen ist. Vielmehr wird eine schnelle, oftmals disqualifizierende Arbeitsmarktintegration angestrebt.  

In der Überzeugung, dass die Chancengerechtigkeit beim Zugang zur Hochschulbildung auch für Geflüchtete gegeben sein muss, lancierte der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) 2016 das Projekt Perspektiven-Studium. Damit sich qualifizierte Geflüchtete mit ihren Kompetenzen und Potentialen am sozioökonomischen Leben in der Schweiz beteiligen können, ist es unerlässlich, dass ihnen auch der Bildungsweg auf Tertiärstufe offensteht. Dadurch kann eine nachhaltige Integration gewährleistet werden und  u.a. dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. 

Unter Positionen sind das Positionspapier als auch die Forderungen zum Thema ‚Hochschulzugang für studentische Geflüchtete‘ zu finden.

 

Resultate der ersten Projektphase | 2016-2019

Arbeitsgrundlage der ersten Projektphase bildeten das Positionspapier und die politische Forderungen, welche in Zusammenarbeit mit der Studierendenschaft entwickelt wurden. Im Anschluss daran konzentrierte sich das Projekt auf die Entwicklung der dreisprachigen Informationsplattform perspektiven-studium.ch, welche Studierenden und Fachpersonen in der Begleitung von studieninteressierten Geflüchteten dient. Im Rahmen der Förderung von studentischem Engagement wurden einerseits lokale Projekten in der Aufbauphase unterstützt und begleitet; andererseits wurden 17 Schulungen zum Thema Mentoring und Asylwesen in 7 Städten der Deutsch- und Westschweiz mit über 165 Teilnehmenden durchgeführt.

Im Bereich Vernetzung und Sensibilisierung leistete das Projekt einen wichtigen Beitrag mit der Tagung ‚Integration durch Bildung‘ (Oktober 2018). Über 60 Fachpersonen aus den Bereichen Integration, Migration und Bildung wie auch Interessierte aus dem Hochschulbereich besuchten die Referate und Workshops. Vernetzungstreffen unter wie auch zwischen Studierendenprojekten und Fachpersonen wurden zu mehreren Zeitpunkten organisiert.

Recherchetätigkeiten zu Stipendien wie auch die Sammlung von Daten zu Demographie und Bedürfnissen ermöglichen ein detailliertes Bild zur Situation studentischer Geflüchteter zu zeichnen (siehe Publikationen).

 

Fokus der zweiten Projektphase | 2019-2021

Die Fortsetzung oder Anerkennung des Studiums stosst bei studentischen Geflüchteten auf grosses Interesse. Trotz hohen Teilnehmendenzahlen an den Hochschulprojekten, konnten sich nur vereinzelt Personen für ein Regulärstudium einschreiben. Die diversen Hürden bestehen weiterhin. Die Ausrichtung der zweiten Projektphase besteht aus drei Bereichen. Um eine nachhaltige und wirkungsorientierte Umsetzung der lokalen Projekte zu ermöglichen, sollen die Teilnehmenden der Projekte mittels Schulungen und Workshops gefördert werden (capacity building (1)). Lokale Vernetzung ermöglicht die Konsolidierung der Projekte und Zugang zu Massnahmen, falls die Hochschulinstitution geringe oder keine Unterstützung bietet. Gleichzeitig wird auch Sensibilisierungs- und Vernetzungsarbeit (2) auf überregionaler und nationaler Ebene angestrebt. Über die politische Arbeit (3) soll der Paradigmenwechsel auf Hochschulebene wie auf nationaler/kantonaler Ebene erreicht werden.

 

Ziele und Leistungen des Projekts | 2019-2021

Capacity Building: 

  • Aufbereitung von Toolkits für lokale Studierendenprojekte 
  • Überregionale Schulungen sowie Unterstützung bei der Durchführung von lokalen Schulungen

Vernetzung und Sensibilisierung: 

  • Vernetzungstreffen zwischen Studierendenprojekten 
  • Vernetzung und Sensibilisierung mit Hochschulakteur*innen sowie Personen des Bildungs- und Migrationsbereichs  
  • Aufbau einer Community of Practice mit Akteur*innen aus Hochschulen sowie den Fachbereichen Bildung, Migration und Integration 

Politik:

  • Mitarbeit bei der Kampagne Bildung und Migration von VPOD/sosf: Pressekonferenz, Petition, parlamentarische Vorstösse auf nationaler & kantonaler Ebene, Infokampagne / Infotour 
  • Arbeitsgruppe «Integration durch Bildung», partizipative Erarbeitung von Forderungen mit studentischen Geflüchteten und Akteur*innen aus dem Hochschulbereich sowie Workshops zu politischer Arbeit als Vorbereitung lokaler Kampagnen 
  • Politische Arbeit auf nationaler und kantonaler Ebene sowie Unterstützung der lokalen Projekte, ihre Anliegen hochschulintern zu verfolgen. 

 

Weiterführende Informationen

Auf der Webseite des Projekts ist folgendes zu finden:

  • zahlreiche Informationen zum Hochschulzugang für Geflüchtete 
  • Toolkits mit Ideen, wie eine lokale Schulung für Studierende konzipiert werden kann
  • Übersicht aller lokalen Projekte für studentische Geflüchtete in der Schweiz  

 

Förderpartner

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