Bologna

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11. April 2017: Aktionstag für Erasmus+

Am 11. April werden die Studierendenverbände an verschiedenen Schweizer Hochschulen Aktionen durchführen, um eine möglichst baldige Wiederassoziierung der Schweiz an Erasmus+ zu erreichen.

Durch Medienberichte gelangte Anfang dieses Jahres an die Öffentlichkeit, dass die Wiederassoziierung der Schweiz an Erasmus+ offenbar keine Priorität des Bundes mehr sei. Der Bund möchte erst im Nachfolgeprogramm von Erasmus+ ab 2021 eine Mitgliedschaft ins Auge fassen. Zuvor hatte der Bundesrat immer betont, dass nach der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative wieder eine Mitgliedschaft in Erasmus+ angestrebt würde. Dieses Vorgehen ist aus Sicht des VSS inakzeptabel.

Deshalb führt der VSS zusammen mit seinen Sektionen am 11. April 2017 einen Aktionstag durch. An verschiedenen Hochschulen werden Aktionen stattfinden. Im Mittelpunkt des Aktionstags stehen folgende Forderungen:
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  • Sofortige Verhandlungen über eine Erasmus+ Mitgliedschaft!
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  • Eine Vollmitgliedschaft bei Erasmus+, und zwar so rasch wie möglich!
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  • Bis zur Vollmitgliedschaft: eine angemessene Übergangslösung!


Kontakt:Josef Stocker

MM Aktionstag

Erasmus+: Übergangslösung reicht nicht aus!

Medienmitteilung des VSS vom 19.09.2014

Die heute vom Bundesrat beschlossene Verlängerung der Erasmus-Übergangslösung ist ein erster Schritt. Sie stellt aber nur eine Minimallösung dar, die nicht garantiert, dass der studentische Austausch auch darüber hinaus funktionieren wird. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) fordert Bundesrat und EU auf, so schnell wie möglich eine stabile und langfristige Lösung zu finden. Ziel muss der Beitritt der Schweiz zu Erasmus+ sein.

Dass der Bundesrat bereits heute die Verlängerung der Übergangslösung beschliesst, war notwendig. Sie garantiert, dass nicht im Frühling 2015 erneut tausende Studierende nicht wissen, ob ihr geplanter Auslandsaufenthalt stattfinden kann. Allerdings reicht der heutige Beschluss nicht aus, um den Studierendenaustausch langfristig zu garantieren. „Wir fragen uns, was nach diesen zwei Jahren geschieht. Eine weitere Übergangslösung schafft Unsicherheit für die Studierenden und die Hochschulen“, sagt Dominik Fitze, Mitglied der Geschäftsleitung des VSS. „Eine langfristige Lösung kann nur der Beitritt zu Erasmus+ sein“.

Wie es um diesen steht, ist unklar. Der Bund hat es bisher versäumt, über den Stand der Verhandlungen zu informieren. Dass eine Lösung durchaus im Bereich des Möglichen liegt, zeigt die Teilassoziierung an Horizon 2020, die der Bund letzte Woche bekanntgab. „Der Bund muss nun die Verhandlungen über einen Erasmus-Beitritt so schnell wie möglich zu einem Abschluss bringen“, so Dominik Fitze weiter. „Nur dann kann wieder Ruhe in die Hochschulen einkehren. Die langfristige Sicherstellung der Teilnahme am europäischen Studierendenaustausch kann nur über den Beitritt zu Erasmus+ gelingen“.

Für weitere Informationen steht Ihnen die Geschäftsleitung des VSS gerne zur Verfügung.

Medienmitteilung des VSS vom 12. Juni 2014

Der Nationalrat hat in seiner heutigen Sitzung eine Motion angenommen, welche den Bundesrat dazu auffordert, die notwendigen Mittel zu ergreifen um die Schweiz so schnell wie möglich am Austauschprogramm Erasmus+ und dem Forschungsprogramm Horizon 2020 anzubinden. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) begrüsst den Willen der Politik, schnell wieder Mitglied beider Programme zu werden.

Der Nationalrat hat heute am 12. Juni 2014 eine Motion der WBK-N mit dem Titel „Erasmus plus und Horizon 2020. Klarheit für Studierende, Forscher, Hochschulen und Unternehmen schaffen“ angenommen. Diese Motion zielt hauptsächlich darauf ab, die Konsequenzen welche die Suspendierung der Verhandlungen über den Beitritt der Schweiz zu den Programmen Erasmus+ und Horizon 2020 hatten, abschätzen zu können. Gleichzeitig soll der Bundesrat dazu bewegt werden, alle notwendigen Massnahmen zu ergreifen um eine schnell die Mitgliedschaft der Schweiz bei beiden europäischen Programme zu erreichen und die negativen Auswirkungen der Nicht-Mitgliedschaft aufzufangen. Nachdem am 9. Februar 2014 die Masseneinwanderungsinitiative vom Schweizer Volk angenommen wurde, hat die europäische Kommission die Verhandlungen über die Partizipation der Schweiz an den Programmen Erasmus+ und Horizon 2020 sistiert. Da die Personenfreizügigkeit eine der grundlegenden Bedingungen für die Teilnahme an diesen Programmen war, gleichzeitig aber mit dem Inhalt der Initiative in Widerspruch stand, hat die Schweiz die Konditionen für einen vollständigen Beitritt zu Erasmus+ und Horizon 2020 nicht mehr erfüllt.

Der VSS freut sich sehr über den Ausgang der Abstimmung im Nationalrat. Damit wurde sowohl ein starkes Zeichen im Sinne einer Anerkennung der Wichtigkeit der Internationalisierung in der Schweizer Hochschullandschaft gesetzt als auch die Rolle der Schweiz bei der Bildung und Entwicklung eines europäischen Hochschulraumes gewürdigt. Nebst einem schnellen Beitritt zu Erasmus+ und Horizon 2020 fordert die Motion explizit, in der aktuellen Situation Klarheit für alle Betroffenen zu schaffen. Dieses Anliegen ist auch aus Sicht des VSS zwingend notwendig, da die bis heute ergriffenen Massnahmen nicht ausreichen und etwas zu spät kamen. Viele Personen, darunter Studierende, Auszubildende, Junge, mussten auf einen Austausch verzichten – die Folgen für ihre Laufbahn sind noch unbekannt. Ein schnellstmöglicher Beitritt muss das Ziel des Bundesrats sein um die Zukunft der Schweiz als Wissens- und Forschungsplatz zu sichern.

Der VSS begrüsst die Entscheidung des Nationalrates und hofft, dass der Ständerat ebenfalls die Notwendigkeit einer schnellen Anbindung der Schweiz an die zwei Programme Erasmus+ und Horizon 2020 erkennen wird.

Ein Bekenntnis zur Bildung

Die Schweiz hat viele Baustellen in der Hochschullandschaft. Während die einen an der Verdoppelung der Studiengebühren rumwerkeln, haben einige Kantone nichts Besseres zu tun, als ein Sparpaket nach dem anderen zu verabschieden, und scheibchenweise die Universitäten finanziell auszubluten. Nicht zuletzt zeigt die erzwungene Heirat von Wissenschaft und Wirtschaft im neuen WBF-Departement eine bedenkliche gedankliche Verknüpfung in den Köpfen einiger PolitikerInnen. Bildungspolitik wird insbesondere über den Franken gemacht; Economiesuisse möchte Studiengebühren von 10‘000 Franken jährlich, der Kanton Bern scheint die Universität schliessen zu wollen um sein strukturelles Defizit zu lösen, und die Universität Zürich benennt sich vielleicht ja bald in „University of UBS“ um.

Ammenmärchen? Leider dominiert in der Schweiz die Wirtschafts- und Finanzpolitik, Studierende werden zur Kasse gebeten und Hochschulen in die Abhängigkeit von Drittmitteln gezwungen. Dabei müsste die Schweiz mal über eine Perspektive der Hochschullandschaft Schweiz sprechen, statt über Sparmöglichkeiten.

Nach der Umsetzung von „Bologna“ (einer reinen Struktur aus BA-MA-PhD und ECTS) braucht die Schweiz jetzt eine Offensive in der Lehre. Qualitätsentwicklung statt minimale Qualitätssicherung, progressive Unterrichtsmethoden, eine Verbesserung der Betreuungsverhältnisse und eine Flexibilisierung des Studiums. Nicht zuletzt wäre ein Aufbruch der feudalen Lehrstuhlstrukturen notwendig, um die Hochschulen dynamischer zu machen und so den Freiraum für Weiterentwicklung zu schaffen.

Wird das neue Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG) als aktuellste Baustelle neue Bewegung in die Hochschulbildung Schweiz bringen? Die Reorganisation der (politischen) Hochschullandschaft wäre die Chance, über die Koordination der Hochschultypen und Institutionen Meilensteine für die Weiterentwicklung zu setzen und zu erreichen. Dafür braucht es aber mehr als bildungsbürokratische Reformitis, sondern ein Bekenntnis zum Bildungswesen und seiner Qualität – für alle!

Dafür muss die Schweiz aber den Bildungsföderalismus und dadurch das kleinräumige Denken aufgeben. Statt jedem zweiten kantonalen Parlament die Möglichkeit geben, über die Geschicke einer Hochschule zu entscheiden, braucht es eine gemeinsame Strategie. Denn im 2022 soll die Schweiz die Goldmedaille abholen für die besten Betreuungsverhältnisse, den Einbezug der Studierenden in der Gestaltung der Lehre, modernste Bildungstechnologien, innovative Lernmethoden und ein harmonisiertes Stipendienwesen.

Der erste Schritt dazu ist die Bildungspolitik von den FinanzpolitikerInnen und ihrer Sparwut befreien.

– Clau Dermont ist seit Januar 2012 Vorstandsmitglied des VSS zuständig für Hochschulpolitik. Er studiert Politikwissenschaft im Master an der Universität Bern und war vor seinem Mandat beim VSS zwei Jahre im Vorstand der StudentInnenschaft der Universität Bern.

Der VSS veröffentlicht in regelmässigen Abständen Blogbeiträge von Aktiven und Alumnis in ihrer jeweiligen Sprache. Die Beiträge repräsentieren die Meinung der Einzelpersonen.

verabschiedet am 1. September 2012 an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung des VSS in Zürich

Im Rahmen der Bologna-Reform wurde unter anderem das Schlagwort Employability eingeführt. Employability ist ein schwierig zu definierendes Konzept. Es handelt sich um mehr als um den Zugang zum Arbeitsmarkt. Employability bedeutet im Kontext der Universitäten, dass akademische Kompetenzen vermittelt werden, welche die AbsolventInnen befähigen, sich auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die European Higher Education Area (EHEA) definiert Employability als eines ihrer wichtigsten Ziele und Prioritäten der Hochschulbildung und beschreibt sie folgendermassen: die “ability to gain initial employment, to maintain employment, and to be able to move around within the labour market.“

Die Mehrheit der Studierenden wird sich nach dem Studium in den Arbeitsmarkt integrieren (wollen), das Konzept der Employability hat es somit an sich schon immer gegeben. Hingegen wurde die Reflexion über den Begriff der Employability in Folge der Bologna-Reform anders akzentuiert. Diese Tendenz wirft die grundsätzliche Frage nach den stärker werdenden Verflechtungen des akademischen und wirtschaftlichen Bereichs auf.

Die HochschulabsolventInnen bewegen sich irgendwann auf dem Arbeitsmarkt, das ist eine Tatsache, die vom VSS anerkannt wird. Der VSS anerkennt, dass AbsolventInnen nach Abschluss eines Hochschulstudiums mit dem Arbeitsmarkt konfrontiert werden und sich mit seinen Bedingungen und Anforderungen auseinandersetzen müssen. Der VSS ist sich jedoch bewusst, dass die Arbeitsmarktbefähigung differenziert betrachtet werden muss. So unterscheidet sich in dieser Frage insbesondere die Rolle von geisteswissenschaftlich ausgerichteten Studiengängen zu einzelnen technisch oder medizinisch ausgerichteten, sowie Fachhochschulstudiengängen.

Die grundsätzliche Frage nach den Fähigkeiten, die mit einem Hochschulstudium erworben werden sollen, darf nicht im Wesentlichen mit Hinblick auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes beantwortet werden. In diesem Zusammenhang spielte die Hochschulreform eine wichtige Rolle: Unklar bleibt hingegen, was Arbeitsmarktbefähigung im Zusammenhang mit Hochschulbildung wirklich bedeutet und ob sie als Kriterium für Qualität der Ausbildung, Definition von Ausbildungszielen, Gewährleistung der freien Ausbildungswahl usw. tatsächlich anwendbar ist. Zudem stellt sich grundsätzlich die Frage, welche Befähigungen HochschulabsolventInnen erfahren sollen und ob dem Arbeitsmarkt nicht zu viel Bedeutung beigemessen wird. Die Implementierung des Bologna-Systems hinkt europaweit. Viele Ziele wurden nicht erreicht oder auf dem Weg verändert und den nationalen Begebenheiten so angepasst, dass eine internationale Harmonisierung verunmöglicht wird. Anstatt Hürden abzubauen wurden neue geschaffen. In der Schweiz hat die Umstellung auf Bachelor und Master dazu geführt, dass viele Studiengänge trivial in zwei Perioden getrennt wurden. Eine sinnvolle und studierendenzentrierte Modularisierung der Studiengänge ist noch lange nicht umgesetzt. Diese Umstände bestätigen den VSS in seiner kritischen Haltung gegenüber der Reform.

Die Employability wird immer mehr zum Kriterium für gute und qualitative Lehre und zum bestimmenden Faktor für die öffentliche Finanzierung. Dass viele Studiengänge (klassischerweise universitäre) in ihrer Natur nicht als Ausbildungsgänge im wirtschaftlichen Sinn konzipiert sind, wird in der Diskussion völlig ausgeblendet. Der VSS erachtet es deshalb für unerlässlich, die Definition der Employability zu differenzieren. Diese muss auf einer unabhängigen und studierendenzentrierten Kompetenzvermittlung basieren und soll nicht von den Ansprüchen an den Arbeitsmarkt ausgehen. Vielmehr sollte davon ausgegangen werden, dass unabhängig denkende AbsolventInnen von Hochschulen sich im Arbeitsmarkt auch zurechtfinden werden und damit employable sind.

Unabhängige Lehre und wissenschaftliche Freiheit müssen bewahrt bleiben

Die Lehre darf an keiner Hochschule in Abhängigkeit zu wirtschaftlichen Faktoren geraten. Die wissenschaftliche Freiheit ist eins der wichtigsten Prinzipien der Bildung und Forschung und muss bewahrt bleiben, um den Interessen der gesamten Öffentlichkeit zu entsprechen, und die öffentliche Finanzierung und Steuerung des Bildungswesen zu legitimieren. Das bedeutet für den VSS, dass die entsprechenden Studiengänge nur nach wissenschaftlichen Kriterien aufgebaut und evaluiert werden dürfen, und die Kompetenzvermittlung nach diesen zu gestalten ist.

Keine willkürliche Steuerung und die Gewährleistung der freien Studienwahl

Die Hochschulbildung wird zunehmend als Dienstleistung verstanden und damit zum handelbaren Gut gemacht. Die Studierenden werden als Angebot für den Arbeitsmarkt gesehen, die sich nach der Nachfrage richten sollen. Forderungen nach Steuerung der Studienwahl über bekannte und neue Instrumente werden immer lauter: Schwächung der öffentlichen Finanzierung für gewisse Studienrichtungen, Zulassungsbeschränkungen, nachlaufende kostendeckende Studiengebühren, Darlehen anstatt Stipendien. Dies alles im Glauben, dass über Geld eine künstliche Präferenz für die nachgefragten Studienabschlüssen erzwingbar sei. Der VSS wehrt sich vehement dagegen und bekennt sich klar und deutlich zum freien und fairen Zugang zur Hochschulbildung für alle nach Neigung und Fähigkeit, und wird diesen weiterhin verteidigen.

Aufwertung der Kompetenzen

Der Studienverlauf der Studierenden ist sehr heterogen. Diese Vielfalt muss an sich als ein Wert der Hochschulbildung angesehen und entsprechend anerkannt werden. Die angeeigneten Kompetenzen im eigenen wissenschaftlichen, aber auch im generellen Kontext, sind wichtiger als Studienort und Studiendauer. Die Anerkennung der Kompetenzen ermöglicht eine objektivere Beurteilung und schafft gleiche Bedingungen für alle.

Umdenken in der Lehre: student-centred learning

Der VSS ist der Überzeugung, dass Employability umgedacht werden muss: Berufsbefähigende Abschlüsse sind – gerade in der Schweiz – nicht in erster Linie in den tertiären Ausbildungen anzubieten. Die akademische Bildung in ihrer humanistischen Natur zeichnet sich durch einen wissenschaftlichen Pluralismus aus, der für die Aneignung von Wissen unentbehrlich ist und keiner zusätzlichen Legitimation bedarf. Sie gehört geschützt und darf sich entsprechend nicht an der Nachfrage eines Marktes richten, welcher ausschliesslich kurzfristige wirtschaftliche Zielsetzungen verfolgt.

Employability bedeutet im Zusammenhang mit Hochschulbildung viel mehr: Den Studierenden soll die Möglichkeiten offenstehen, sich selbstständig und nach ihren Interessen gerichtet zu entwickeln. Auch die EHEA hat den Handlungsbedarf erkannt und sich im Communiqué von Bukarest zum Prinzip des student-centred learning  in der Hochschulbildung verpflichtet: „Higher education should be an open process in which students develop intellectual independence and personal self-assuredness alongside disciplinary knowledge and skills. Through the pursuit of academic learning and research, students should acquire the ability confidently to assess situations and ground their actions in critical thought.” Der VSS ist höchst erfreut über diesen Beschluss, fordert die Schweizer Hochschullandschaft auf das Prinzip umzusetzen und plädiert für ein Umdenken in der Lehre an den Hochschulen.