Am Donnerstag berät die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerats weiter über die Botschaft zur Förderung der Bildung, der Forschung und der Innovation über die Periode 2017-2020. Unter anderem wird in der BFI-Botschaft auch der Rahmenkredit für die Bundesbeiträge an Stipendien festgelegt. Seit 2007 stagnieren diese Subventionen, in der gleichen Zeit hat aber die Anzahl der Studierenden weiter zugenommen. Eine Verdoppelung der Bundesbeiträge an die Kantone für Stipendien würde ein klares Zeichen für die soziale Chancengleichheit setzen und die Kantone in ihrem Harmonisierungsbestrebungen unterstützen.

Der Bundesrat hat im Februar seinen Vorschlag für die BFI-Botschaft 2017-2020 verabschiedet. Sie sieht weitaus weniger Mittel für den Bereich der Hochschulbildung und der höheren Berufsbildung vor als die laufende BFI-Botschaft 2013-2016. In der Sommersession hat der Nationalrat den Vorschlag ohne Änderungen angenommen. Nun berät der Ständerat die Vorlage in der Herbstsession, am Donnerstag, dem 25. August, wird sie zuerst noch einmal von der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur bearbeitet.

Stipendien sind für die Chancengerechtigkeit und die soziale Durchlässigkeit unabdingbar. Seit 1990 nahm das Stipendienvolumen in der Schweiz ab, während gleichzeitig die Zahl der Studierende zunahm. Ab Anfang der 90er zog sich auch der Bund immer mehr aus der Verantwortung, seit 2007 und dem nationalen Finanzausgleich zahlt er noch 25 Millionen Franken pro Jahr. Mit dem neuen Ausbildungsbeitragsgesetz, das Anfang 2016 in Kraft trat, erhalten nur noch Kantone, deren Stipendienwesen gewisse Mindeststandards erfüllt, Bundesbeiträge für Stipendien. Dem interkantonalen Stipendienkonkordat, das alle Mindeststandards erfüllt, sind bis heute 18 Kantone beigetreten, nicht beigetreten sind die Kantone Appenzell Innerrhoden, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Wallis und Zug.

Während im Juni 2015 die Stipendieninitiative vom Stimmvolk abgelehnt wurde, sprach sich eine Mehrheit für den indirekten Gegenvorschlag des Bunds, die Totalrevision des Ausbildungsbeitragsgesetzes, aus. Von allen Seiten wurde anerkannt, dass Stipendien für ein faires Bildungssystem notwendig sind. Dass es im Schweizer Stipendiensystem Verbesserungsbedarf gebe, entsprach ebenfalls einem breiten Konsens. Die Mehrheit war aber der Meinung, dass sich dies mit dem Stipendienkonkordat eher verwirklichen lasse. Jetzt hat der Bund im Rahmen der BFI-Botschaft 2017-2020 die Möglichkeit, einen Anreiz für die Harmonisierung des Stipendienwesens zu liefern, indem er seine Beiträge an die kantonalen Stipendien erhöht. Der Ständerat hat also die Möglichkeit, das interkantonale Stipendienkonkordat zu stärken und damit darauf hinzuarbeiten, dass das Schweizer Stipendienwesen für alle einen fairen Zugang zu Hochschulen und höherer Berufsbildung garantiert.

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Josef Stocker

MM WBK-S

Bundesrat und Kantone in der Pflicht

Die Mehrheit des Stimmvolkes hat sich für den Gegenvorschlag zur Stipendieninitiative und das Konkordat ausgesprochen. Nun müssen die Verantwortlichen halten, was sie in den letzten Monaten versprochen haben.

Ein Erfolg ist das klare Bekenntnis zu einer notwendigen Verbesserung des bestehenden Stipendiensystems. die Diskussion um die Abstimmung hat gezeigt, dass die Mehrheit des Stimmvolks dieses Ziel klar unterstützt. Es ist dem Druck der Initiative zu verdanken, dass sich im Abstimmungskampf auch die Initiativgegner klar für ein faireres Stipendiensystem ausgesprochen haben. Das gilt insbesondere für Bundesrat Schneider-Ammann, der wiederholt erklärt hat, die Anliegen der Initiative würden bereits mit dem Konkordat erfüllt.

Der Souverän beauftragt mit dem heutigen Ergebnis die Kantone, dem auch Folge zu leisten. Der VSS fordert, dass die mit dem Konkordat angestrebte Ausweitung der Stipendien im Zuge der Anpassungen in den kantonalen Gesetzen umgesetzt wird. Das Konkordat strebt einen BezügerInnenanteil von 15-20% der Studierenden an, um den Bedarf an Ausbildungsbeiträge abzudecken. „Das heutige Votum stärkt dem Konkordat den Rücken. Nun müssen auch die restlichen Kantone diesem beitreten, um ein faireres Stipendiensystem zu ermöglichen“, sagt Lea Oberholzer vom Verband der Schweizer Studierendenschaften.

„Wir werdne uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass eine höhere Ausbildung schlussendlich nicht vom Portemonnaie der Eltern oder deren Wohnort abhängt“, resümiert Lea Oberholzer. Der VSS werde die Umsetzung des Konkordats genau überprüfen. Es sei unabdingbar, dass die gegebenen Versprechen eingehalten werden.

Für den VSS

Lea Oberholzer (de)Iván Ordás Criado (fr)

MM Stipendieninitiative Abstimmungssonntag

Medienmitteilung vom 18.12.2014
Der Grossrat des Kantons Wallis hat heute beschlossen, Darlehen auf Kosten von Stipendien zu erhöhen. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) verurteilt diesen Entscheid. Der Kanton Wallis kann es sich nicht leisten, junge Personen vor die Entscheidung zu stellen, sich zu verschulden, um überhaupt eine Ausbildung machen zu können, oder aber auf eine Ausbildung zu verzichten.

Der Grossrat des Kantons Wallis fördert mit diesem Entscheid die Jugend-verschuldung. Anstatt dass junge Personen ihre Ausbildung in Angriff nehmen können, müssen sie sich mit der Frage beschäftigen, ob sie sich einen Schuldenberg aufbürden wollen, um überhaupt studieren zu können. Erfahrungswerte zeigen, dass viele Personen auf ihre Ausbildung verzichten, wenn sie diese nur mit einem Darlehen finanzieren können. Wird es nun zum Privileg, eine Ausbildung absolvieren zu können? Nicht berücksichtigt wurde bei diesem Entscheid, dass Darlehen einen massiv grösseren bürokratischen Aufwand für den Kanton Wallis bedeuten, was auch der Regierungsrat in seiner Antwort auf die Motion darlegt. Zudem verursachen die Darlehen etwa den Zinsaufwand von einer Million Franken pro Jahr für den Kanton Wallis.

Mit dem Entscheid des Walliser Grossen Rates dividieren sich die kantonalen Stipendiensystem noch stärker auseinander. So werden in Zukunft Walliser Studierende gegenüber Waadtländer Studierenden benachteiligt, da deren Kanton kein Darlehensregime kennt. Das Stipendienwesen tatsächlich weiterentwickeln kann nur die Stipendieninitiative des VSS, die nächstes Jahr zur Abstimmung kommt. Sie fordert, dass für alle Studierenden der höheren Fachschulen, Fachhochschulen, Universitäten und ETHs dieselben Regeln beim Zugang zu Ausbildungsbeiträgen gelten.

Ungerechtfertigte Stipendienkürzungen im Kanton Wallis

Medienmitteilung des VSS vom 8. September 2014

Der Walliser Staatsrat hat heute beschlossen, die Stipendien und Darlehen um gesamthaft 1.2 Millionen Franken zu kürzen. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) findet, dass diese Streichung undemokratisch und unfair ist, da sie die Falschen trifft.

Der Entscheid kommt nur acht Monate, nachdem der Grosse Rat im Dezember 2013 ein ähnliches Anliegen bereits abgelehnt hat. Damals war eine Kürzung von 3.5 Millionen geplant. Zusätzlich werden nun auch noch die Beitragskriterien so angepasst, dass weniger Personen ein Stipendium erhalten.

Gerade Studierende aus dem Kanton Wallis absolvieren ihre Ausbildung meist ausserhalb ihres Kantons. Die Lebensunterhaltskosten sind somit höher. Kürzungen im Stipendienbereich treffen die Studierenden empfindlich. Viele sind auf die Ausbildungsbeiträge angewiesen, weil ihre Familien sie nicht genügend unterstützen können.

Gerade für Ausbildungen und Studiengängen, neben denen kaum gearbeitet werden kann, wie Medizin- und Ingenieursstudien, aber auch Berufsausbildungen an den höheren Fachschulen, bedeutet dies finanzielle Schwierigkeiten. Diese führen oft dazu, dass das Studium abgebrochen wird oder gar nicht erst begonnen wird.

Damit spart der Kanton Wallis effektiv bei den Falschen. Gerade so genannte MINT-Ausbildungen profitieren erheblich von Stipendien – also die naturwissenschaftlich-technischen Fächer, in denen heute tausende junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte fehlen.

Undemokratische Kürzung

Dass der Staatsrat nun diese Systemänderung eigenständig auf dem Verordnungsweg durchführt, ist unverständlich. Das Kantonsparlament hat erst kürzlich ähnliche Änderungen abgelehnt. Dass die Kantonsregierung diese nun in abgeschwächter Form durchsetzt, ignoriert diesen Parlamentsbeschluss. In einem demokratischen Kanton darf so etwas nicht passieren. Schlimmer noch: Eine Vernehmlassung zu den Änderungen wurde nicht durchgeführt, es konnte also keine öffentliche Diskussion über die gravierenden Kürzungen stattfinden.

Stipendieninitiative hilft

Letztendlich bedeutet der Walliser Staatsratsentscheid, dass sich die Stipendiensysteme der Kantone weiter auseinanderentwickeln. Dies bedeutet, dass das Stipendiengesuch der Walliser Materialwissenschaftsstudentin an der ETH Zürich nicht nach den gleichen Kriterien beurteilt wird wie das ihres Studienkollegen aus Bern. Diese Unfairness muss beendet werden.
Die Stipendieninitiative des VSS ändert das. Neu sollen für alle dieselben Zugangsregeln gelten – egal, aus welchem Kanton sie kommen. Dies gelingt, wenn die Vergabekriterien für alle Kantone einheitlich festgelegt werden. Die Initiative kommt voraussichtlich nächstes Jahr vor das Stimmvolk.

Für weitere Informationen steht Ihnen die Geschäftsleitung des VSS gerne zur Verfügung.

Ernst Buschor, ehemaliger Zürcher Bildungsdirektor, fordert gemäss der Schweiz am Sonntag Aufnahmeprüfungen für die Universitäten. Seine Forderung basiert auf der Abbruchsquote: 30% der Studierenden brechen ihr Studium ab. Zudem sei das Niveau der MaturandInnen ungenügend. Beide Forderungen basieren auf falschen Annahmen.

Dass die MaturandInnen die Anforderungen der Universitäten nicht mehr erfüllen, wird zwar immer wieder behauptet. Daraus abzuleiten, dass die Matura nicht mehr das Eintrittsbillet in die Hochschulen sein soll, ist aber falsch. Fast alle, die ein Gymnasium abgeschlossen haben und sich für die Uni oder ETH anmelden, beenden auch ein Studium erfolgreich. So schlecht kann es um die allgemeinbildenden Gymnasien also nicht bestellt sein. Gemäss der Studie „Studieren unter Bologna“ des Bundesamtes für Statistik brechen etwa 30% ein Studium ab. Als Grund gibt fast die Hälfte davon an, sie hätten den Sinn des Studiums nicht mehr gesehen. Ein Fünftel bricht wegen finanzieller Probleme ab. Nur 18% beendet das Studium wegen nichtbestandener Prüfungen.

Die meisten Abbrechenden nehmen denn auch ein anderes Studium auf und schliessen es erfolgreich ab. Das ist nicht verwunderlich. Denn das erste Jahr an der Universität ist für viele auch eine einschneidende Phase, in denen klar wird, dass das begonnene Studium nicht den inhaltlichen Erwartungen entspricht. Wer also etwas gegen die Abbruchquote machen will, muss anders vorgehen, als von Ernst Buschor vorgeschlagen. Einerseits muss die Information verbessert werden. Die Studiengänge müssen klar machen, was ihr Inhalt ist, damit die zukünftigen Studierenden von Anfang an das gewünschte Fach studieren. Andererseits muss die soziale Lage der Studierenden verbessert werden. Jedes Jahr verliert die Schweiz 5‘000 Uni- und ETH-Studierende, weil sie sich das Studium nicht länger leisten können.

Die Stipendieninitiative des VSS kann hier helfen. Denn heute sind die Kantone für finanzielle Ausbildungsbeihilfen zuständig – und ihre Stipendiensysteme unterscheiden sich teils massiv. Die Initiative will, dass alle, die ein Stipendium benötigen, schweizweit nach denselben Regeln beurteilt werden. Damit kann verhindert werden, dass ein Student aus Olten sein Materialwissenschaftsstudium mangels Stipendium beenden muss, während seine Kollegin aus Graubünden eines erhält.Deshalb kämpft der VSS auch nicht für ein Assessmentjahr überall, sondern für mehr Stipendien und bessere Beratung. Wer wirklich etwas gegen Studienabbrüche machen will, stärkt beides, anstatt am Prinzip des Hochschulzuganges mit Matura zu rütteln.