Der Artikel im „Bund“ und „Tagesanzeiger“ vom 20. Juni 2018 bezieht sich auf den Bildungsbericht 2018, der vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) am Vortag veröffentlicht wurde. Richtigerweise wird hervorgehoben, dass immer noch unterdurchschnittlich wenige Frauen in der Schweiz Toppositionen besetzen. Dies wird der mangelnden Wettbewerbsbereitschaft der Frauen zugeschrieben.

Die darin gemachten Schlussfolgerungen sind allerdings nicht repräsentativ für den Bericht, auf den sie sich zu stützen behaupten, und darüber hinaus sehr kritikwürdig. Denn der Bund verkennt die wirklichen Schwierigkeiten des weiblichen Geschlechts in der akademischen Welt und beschuldigt die Frauen, selber für die Ungleichheiten verantwortlich zu sein, denen sie ausgesetzt sind. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall, wie die Studie A challenge to the meritocratic principle and to women’s careers – And what to do about it. zeigt, die im Januar 2018 von der League of European Research Universities (LERU) veröffentlicht wurde. Wenn Frauen auch im Vergleich zur Zahl der BewerberInnen nur begrenzten Zugang zu den höchsten Ebenen in der akademischen Welt haben, liegt dies vor allem an impliziten Vorurteilen gegenüber des weiblichen Geschlechts, durch die sie während ihrer gesamten akademischen Laufbahn benachteiligt werden. Noch beunruhigender ist, dass das Problem in ganz Europa vorherrscht und sich die Situation trotz der unternommenen Anstrengungen nicht verbessert.

Der VSS setzt sich für eine Gewährleistung der Chancengleichheit für beide Geschlechter ein, das bedeutet gleichberechtigter Zugang, gleiche Erfolgsaussichten und gleiche Karrierechancen.

Der VSS fordert deshalb:

  • Sicherstellen, dass alle Hochschulen über kompetente und ausreichend ausgestattete Strukturen zur Förderung der Gleichstellung verfügen
  • Berücksichtigung von Gender- und Gleichstellungsaspekten bei jeder Entscheidung mit politischen oder strukturellen Konsequenzen für die Hochschule
  • Öffentliche Ausschreibung von Stellenangeboten und explizit an Frauen gerichtete Anzeigen. Darüber hinaus müssen potenzielle Kandidat*innen ausdrücklich aufgefordert werden, ihre Bewerbungen einzureichen.


  • Für weitere Auskünfte stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
    Kontakt: Mathilde Jaccard, Vorstandsmitglied

    Chancengleichheit beim Zugang zur Hochschulbildung

    Anlässlich der Aktionswoche gegen Bildungsabbau möchten wir erneut betonen, dass die Chancengleichheit im Bereich der Hochschulbildung noch immer nicht erreicht ist. Ob eine Person an einer Hochschule studieren kann, hängt zu oft davon ab, welche Herkunft, soziale Stellung und finanziellen Mitteln sie hat.

    Deshalb begrüsst der VSS das Engagement der Studierenden, die sich in der Aktionswoche gegen Bildungsabbau für die Chancengleichheit eingesetzt haben. “In unseren Augen ist es beschämend, dass in einem Land wie der Schweiz Studierende einen Bildungsaufstand ausrufen müssen, um den allgemeinen Zugang zu etwas zu fordern, das allen zusteht.”, sagt Jonas Schmidt, Co-Präsident des VSS.

    Wir fordern hiermit die Entscheidungsträger_innen in Politik, Kantonen und Hochschulen auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und zu handeln und stellen folgende Forderungen:

  • Die Studiengebühren an den Schweizer Hochschulen dürfen nicht erhöht werden.
  • Das Stipendienwesen muss mit verpflichtenden Auflagen für die Kantone harmonisiert werden.
  • Der Gebührenerlass nach Bedürftigkeitsprüfung soll an allen Schweizer Hochschulen eingeführt werden, solange die Studiengebühren nicht abgeschafft werden.
  • Die studentische Partizipation und Mitbestimmung an den Hochschulen muss weiter ausgebaut werden.
  • Bund und Kantone müssen in Zukunft entsprechend den steigenden Studierendenzahlen mehr Mittel zugunsten der tertiären Bildung und der Forschung zur Verfügung stellen.
  • Kontakt: Jonas Schmidt, Co-Präsident

    Sehr geehrter Herr Schöchli

    Mit Interesse haben wir die Berichterstattung bezüglich der nationalen Diskussion zu den Einsparungen im Hochschul- bzw. Bildungsbereich der Neuen Zürcher Zeitung der vergangenen Tage verfolgt. Dabei ist uns vor allem Ihr Kommentar “Schweizer Universitäten erhöhen ihre Semestergebühren – das ist kein Skandal” vom 12. März 2018 aufgefallen. Sie kritisieren die Finanzierung des Studiums durch den Staat und stellen die Studierenden der Schweizer Hochschulen als verwöhnte Schnösel Prestige strotzender Eltern dar, denen die Privilegien bereits in die Wiege gelegt werden. Hierzu möchte der Verband der Schweizer Studierendenschaften einige Richtigstellungen anbringen.

    Wie in Ihrem Kommentar vom 12. März richtig festgestellt wird, profitiert die Schweiz enorm von StudienabgängerInnen. Sie stellen nicht nur eine wichtige Steuerquelle für den Staat dar, sondern sind auch der Garant der ökonomischen Zukunft der Schweiz. Da der Schweiz ausgedehnte Rohstoffvorkommen fehlen, betonen Politikerinnen und Politiker immer wieder die Bedeutung des Innovationsstandorts Schweiz. Basis dafür ist eine gut ausgebildete Bevölkerung: die HochschulabsolventInnen sind ein essentielles wirtschaftliches Standbein der Schweiz. Wer an einer Hochschule studiert, weiss jedoch, wie beschwerlich der Weg zum Abschluss ist. Natürlich gibt es die privilegierten Akademikerkinder, die mit einer Studiengebührenerhöhung keinerlei Probleme haben, doch diese sind bei Weitem in der Minderheit. Bereits heute arbeitet ein Grossteil der Studierenden neben dem Studium, laut BFS sind es 75% [1]. In vielen Fällen sind die Studierenden im Servicebereich tätig oder in anderen Berufsfeldern, in denen sie keinesfalls Erfahrungen für die zukünftige Berufswelt sammeln: Es sind Jobs, die den Studierenden ihre Existenz sichern.

    Gebühren zwischen 1’000 und 4’000 Franken im Jahr mögen auf den ersten Blick nicht so hoch wirken. Doch die Studiengebühren stellen lange nicht die einzige finanzielle Herausforderung für Studierende dar. Das Stipendienwesen der Schweiz gleicht immer noch einer grossen Baustelle – je nach Kanton mag die Stipendiensituation akzeptabel sein oder aber desaströs, von fairen Bedingungen für ein Studium ist man weit entfernt. Bereits jetzt erhöhen mangelnde studentische Wohnangebote, steigende Kosten bei den öffentlichen Verkehrsmitteln und weitere Ausbildungskosten wie Bücher und Laborkosten den finanziellen Druck auf die Studierenden. Wie Sie in Ihrem Kommentar richtig feststellen, soll niemandem aus finanziellen Gründen ein Hochschulstudium verwehrt werden. Leider ist die Schweiz hiervon in der aktuellen Situation weit entfernt. Wenn das Stipendienwesen endlich genormt und stabil finanziert ist, wenn Lösungen für die angespannte Wohnsituation in den Städten gefunden sind und fair bezahlte Nebenjobs geschaffen worden sind, dann können wir wieder über Studiengebührenerhöhungen reden. Aber in der aktuellen Situation treffen sie die Ärmsten und treiben die Schweiz immer weiter vom Ideal der Chancengleichheit weg. Vielleicht können Sie, Herr Schöchli, dann in ein paar Jahren dafür über die privilegierten Studierenden wettern, weil nur noch sie es an die Hochschule schaffen – aber die Zukunft der Schweiz trägt dabei einen enormen Schaden davon.

    Freundliche Grüsse
    Der Verband Schweizer Studierendenschaften

    [1] https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bildung-wissenschaft/personen-ausbildung/soziale-wirtschaftlichelage-studierenden.html

    Stellungnahme VSS, 15.03.2018

    Die grösste Ressource, die Geflüchtete besitzen, sind sie selbst und die Erfahrung, die sie mitbringen. Dieses Potenzial durch Bildung in der Schweiz zu erschliessen, ist deshalb eine sinnvolle und nachhaltige Investition in die Zukunft. Anlässlich der Flüchtlingstage fordert der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) deshalb “Bildung vor Arbeit” in der Integration.
    Im Rahmen seines Projekts “Perspektiven – Studium” setzt der VSS sich seit Dezember 2015 für den Hochschulzugang qualifizierter Geflüchteter ein. Geht es darum, die vorhandenen Ressourcen Geflüchteter clever in der Gesellschaft nutzbar zu machen, besteht in der Schweiz noch viel Handlungsbedarf. Eine restriktive Anerkennungspraxis ausländischer Vorbildung und limitierte Möglichkeiten der Sozialdienste behindern einen flexiblen Umgang mit der Situation; zu wenig wird in Potenzial investiert.

    “Es geht nicht nur darum, passiv einen gleichberechtigten Hochschulzugang zu ermöglichen”, sagt Co-Präsidentin Gabriela Lüthi “Es geht vor allem darum, durch Investition in Bildung aktiv das Potenzial aller Mitglieder unserer Gesellschaft zu fördern – auch das Geflüchteter.” Um nachhaltige Integration zu ermöglichen dürfe deshalb auch Hochschulbildung nicht vernachlässigt werden.

    Die Analyse des Projekts und die Erfahrung aus studentischen GasthörerInnenprojekten zeigt klar: “Damit Geflüchtete ihr Potenzial für sich und die Gesellschaft erschliessen können, braucht es zwei wichtige Schritte: Erstens muss ihr Potenzial erkannt und anerkannt werden. Zweitens müssen mittels Ausbildung und Nachholbildung Brücken geschlagen werden.”, so Projektleiterin Martina von Arx.

    Der VSS fordert deshalb Potenzialabklärungen früh im Asylprozess und eine nachhaltige Integrationsstrategie, die Bildung niedrigqualifizierter Arbeit vorzieht. Er schliesst damit an Forderungen der EDK an. Die Hochschulen hält er dazu an, einen Umgang mit Zulassungsbedingungen zu pflegen, der pragmatisch die Qualität gewährleistet, ohne unnötige Hürden im Studienzugang zu schaffen. Um finanzielle Hürden abzubauen, müssen Stipendien zugänglich sein.

    Die Investition lohnt sich. Eine gute Ausbildung und eine entsprechende Integration in den Arbeitsmarkt entlastet nicht nur auf lange Frist die Sozialsysteme und schlägt sich in Steuereinnahmen nieder, sie beugt auch sozialen Kosten vor. Dazu müssen wir Geflüchteten die Möglichkeit und die Unterstützung geben, die sie benötigen, um sich selbstbestimmt in unsere Gesellschaft einzugliedern. Dazu gehört auch der Zugang zu Hochschulen.

    Für weitere Auskünfte stehen Ihnen zur Verfügung:
    Gabriela Lüthi
    Martina von Arx

    MM Flüchtlingstag

    Am 5. April 2017 rufen SchülerInnenorganisationen in verschiedenen Schweizer Städten unter dem Hashtag #KeLoscht zu Demonstrationen gegen den Abbau in der Bildung auf. Der VSS unterstützt die Mobilisierung und ruft die Studierenden dazu auf, an den Demonstrationen der SchülerInnenorganisationen teilzunehmen. Die Abbaupolitik betrifft alle Bildungsstufen, auch die Hochschulen.

    Der Bund und die Kantone investieren immer weniger in die Bildung. In den letzten Jahren kam es zu mehreren Abbaupaketen, die den Bildungsbereich betrafen. Besonders hart wurden dabei die SchülerInnen und Studierenden im Kanton Luzern getroffen. Als Resultat der Tiefsteuerstrategie des Kantons mussten in den Gymnasien und Berufsschulen Zwangsferien eingeführt werden, da nicht mehr genügend Geld für den Schulbetrieb vorhanden war. Auch bei den Hochschulen wurden Beträge in Millionenhöhe gestrichen. Für den VSS ist dies nicht
    akzeptabel.

    Der VSS begrüsst es, dass sich jetzt überregionaler Widerstand gegen die kantonale Spar- und Abbaupolitik in der Bildung zu formieren beginnt. «Es ist wichtig aufzuzeigen, dass die immer wiederkehrenden Spar- und Abbaupakete in der Bildung keine isolierten Erscheinungen sind, sondern in einem grösseren Zusammenhang gesehen werden müssen», sagt Josef Stocker, Co-Präsident des VSS. «Es kann nicht sein, dass PolitikerInnen bei jeder Gelegenheit betonen, dass die Bildung die einzige Ressource der Schweiz sei, bei der Budgetdebatte dann aber ohne mit der Wimper zu zucken im Bildungswesen die Klinge ansetzen.»

    Am 5. April werden SchülerInnenorganisationen in

  • Luzern (13:15, Treffpunkt: Helvetiaplatz),
  • Zürich (14:00, Bürkiplatz),
  • Basel (15:00, Barfüsserplatz),
  • Aarau (13:15, Bahnhofplatz) und
  • Genf (16:00, entweder Place des Volontaires oder Place du Mont Blanc)
  • ihre Stimme gegen den Abbau in der Bildung erheben. Der VSS unterstützt die Schülerinnen und Schüler und ruft die Studierenden dazu auf, sich dem Protest anzuschliessen.

    Für weitere Informationen wenden sie sich bitte an:
    Josef Stocker, Co-Präsident des VSS, 076 502 31 38, josef.stocker@vss-unes.ch
    Samuel Zbinden, Koordinator SchülerInnenprotest, 079 351 60 61, vlso@bluwin.ch

    Medienmitteilung „#KeLoscht“