Chancengleichheit beim Zugang zur Hochschulbildung

Anlässlich der Aktionswoche gegen Bildungsabbau möchten wir erneut betonen, dass die Chancengleichheit im Bereich der Hochschulbildung noch immer nicht erreicht ist. Ob eine Person an einer Hochschule studieren kann, hängt zu oft davon ab, welche Herkunft, soziale Stellung und finanziellen Mitteln sie hat.

Deshalb begrüsst der VSS das Engagement der Studierenden, die sich in der Aktionswoche gegen Bildungsabbau für die Chancengleichheit eingesetzt haben. “In unseren Augen ist es beschämend, dass in einem Land wie der Schweiz Studierende einen Bildungsaufstand ausrufen müssen, um den allgemeinen Zugang zu etwas zu fordern, das allen zusteht.”, sagt Jonas Schmidt, Co-Präsident des VSS.

Wir fordern hiermit die Entscheidungsträger_innen in Politik, Kantonen und Hochschulen auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und zu handeln und stellen folgende Forderungen:

  • Die Studiengebühren an den Schweizer Hochschulen dürfen nicht erhöht werden.
  • Das Stipendienwesen muss mit verpflichtenden Auflagen für die Kantone harmonisiert werden.
  • Der Gebührenerlass nach Bedürftigkeitsprüfung soll an allen Schweizer Hochschulen eingeführt werden, solange die Studiengebühren nicht abgeschafft werden.
  • Die studentische Partizipation und Mitbestimmung an den Hochschulen muss weiter ausgebaut werden.
  • Bund und Kantone müssen in Zukunft entsprechend den steigenden Studierendenzahlen mehr Mittel zugunsten der tertiären Bildung und der Forschung zur Verfügung stellen.
  • Kontakt: Jonas Schmidt, Co-Präsident

    Nachhaltigkeitsexpert*innen fallen nicht vom Himmel.

      Eine gute Ausbildung erfordert, dass sich Studierende kritisch mit gesamtgesellschaftlichen Fragenstellungen auseinandersetzen können. Welche Kompetenzen sind für studentisches Engagement grundlegend? Wie können diese vermittelt werden? Weshalb sind sie auch in der späteren Berufspraxis relevant? Diese Fragen stehen am Sustainable University Day 2018 (22. März 2018), der Jahrestagung des Förderprogramms U Change, im Zentrum. Ziel dieser Tagung ist auch, die nötigen Rahmenbedingungen zu diskutieren, um Studierende in ihrem Engagement für eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen. Laufende U Change- und weitere BNE-Projekte dienen als Beispiele.

      Anmelden kann man sich noch bis am 15. März 2018 unter www.u-change.ch

    Beitritt des VSS zur Bildungskoalition NGO

    Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS UNES USU) ist der Bildungskoalition NGO, einem Netzwerk von über 30 NGOs, beigetreten. Beide Organisationen wollen in Zukunft stärker zusammenarbeiten und ihren Einfluss auf die Bildungs- und Hochschulpolitik verstärken. In einer gemeinsamen Erklärung sind folgende Schwerpunkte vereinbart worden:

    Partizipation
    Der VSS und die Bildungskoalition NGO setzen sich für studentische Partizipation ein. Sie soll es den Studierenden und der Zivilgesellschaft erlauben, als vollwertige Partner (vgl. das Communiqué der europäischen Bildungsminister von Prag 2001) an Entscheidungen teilzunehmen und den Hochschulraum mitzugestalten – sei dies auf nationaler, internationaler, institutioneller oder fakultärer Ebene. Verbindliche Mitwirkungsstandards für Universitäten, ETH, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen sind ein gemeinsames Kernanliegen. Dazu gehört auch die Partizipation auf allen Ebenen der Qualitätssicherung. Zudem sind Bedingungen dafür zu schaffen, dass studentische Partizipation niederschwellig und unabhängig von den sozioökonomischen Verhältnissen möglich ist.

    Siehe dazu auch die vor kurzem publizierten Mitwirkungsstandards an Schweizer Fachhochschulen (www.vss-unes.ch/fh-projekt/) die der VSS mit Unterstützung des SBFI erarbeitet hat.

    Nachhaltigkeit
    Nachhaltigkeit an Hochschulen geht über die ökologische Betriebsführung hinaus: Auch Lehre und Forschung werden im Sinne der nachhaltigen Entwicklung hinterfragt und weiterentwickelt. Studentische Initiativen sind vielerorts in diesen Belangen positiv aufgefallen oder gar als treibende Kraft identifiziert worden. Die Bildungskoalition NGO und der VSS engagieren sich gemeinsam für eine Hochschulkultur und -politik der nachhaltigen Entwicklung. Projekte wie „Sustainable Universities“ sind an allen Universitäten, Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen markant auszubauen und zu professionalisieren (vgl. Bildungskoalition NGO, Position zu „Sustainable Universities“, 2015, http://www.bildungskoalition.ch/de/news/2015/03/16/sustainable-universities/). Nachhaltigkeitsbelange sollen in den Prozess der Qualitätssicherung und Akkreditierung weiter
    einbezogen werden.

    Transparenz und Compliance
    Der VSS und die Bildungskoalition NGO sind der Ansicht, dass Bildung ein öffentliches Gut und ein Menschenrecht ist. Die Ökonomisierung der Hochschulen gefährdet die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung an Hochschulen. Deshalb fordern sie die vollumfängliche Transparenz als eine conditio sine qua non für den Umgang mit Drittmitteln an Hochschulen und die Begleitung von Drittmittelprozessen durch ein unabhängiges Gremium (vgl. das Positionspapier des VSS zu Drittmitteln, erscheint 2015).

    Der VSS und die Bildungskoalition NGO erwarten seitens der Hochschulen die Errichtung und Einhaltung von hohen regulatorischen und ethischen Standards zur Compliance (vgl. Bildungskoalition NGO, Zukunfts-Agenda SBFI, 2014,
    http://www.bildungskoalition.ch/de/news/2014/11/11/zukunftsagenda/).

    Kontakt:
    Oriana Schällibaum, Vorstand VSS, Tel. 079 303 43 52,
    oriana.schaellibaum@vss-unes.ch
    Ueli Bernhard, Geschäftsleitung Bildungskoalition NGO, Tel. 031 311 16 02,
    info@bildungskoalition.ch

    MM Bildungskoalition-VSS

    Demokratische Autonomie statt Abhängigkeit!

    verabschiedet am 1. September 2012 an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung des VSS in Zürich

    Eine Hochschule als Wissenschaftsstätte für Forschung und Lehre ist immer eine gesellschaftliche Institution. Nur eine in der Gesellschaft verankerte Hochschule geniesst das Vertrauen und die Unterstützung, welche die Wissenschaft und die Bildung brauchen, um sich entfalten zu können, um die Gesellschaft mit ihren Erkenntnissen zu fördern und weiterzuentwickeln. Die Gesellschaft trägt dabei die Verantwortung für die Hochschule, lässt ihr aber die Möglichkeit, sich selbständig zu organisieren.

    Das Dogma des New Public Management, oft eine im gleichen Atemzug mit der Privatisierung von öffentlichen Aufgaben genannte Forderung, verlangt eine Unabhängigkeit der Hochschulen entsprechend marktorientierten Managementprinzipien. Dabei werden Hochschulen als Unternehmungen verstanden und RektorInnen definieren sich selbst als CEOs[1]. Statt an den Erkenntnissen der Wissenschaft und den gesellschaftlichen Interessen orientiert sich die Hochschule an Rankings, an der sogenannten Arbeitsmarktfähigkeit der Studierenden und an dem wirtschaftlichen Nutzen. Um dies umzusetzen werden Managementorgane eingeführt, welche eine sehr hohe Entscheidungs- und Definitionsmacht über die Hochschulen verfügen. Ohne garantierte Mitbestimmung der Studierenden und allen weiteren Hochschulangehörigen entscheidet schliesslich eine kleine Gruppe VertreterInnen ohne zwingende direkte Verbindung zur Hochschule hinter verschlossenen Türen über Ausrichtung und Zukunft dieser. Ohne der Perspektive von VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft Gesellschaft und Kultur ihren zusätzlichen Nutzen aberkennen zu wollen sollten solch wegweisende Entscheide hauptsächlich durch VertreterInnen, welche Hochschule und Wissenschaft nahe stehen gefällt werden.

    Die Schweizer Hochschulen werden zunehmend von solchen Gremien und entsprechend diesen New-Public-Management-Prinzipien geführt. Sie gelten als oberstes Entscheidungsorgan der Hochschulen und beschliessen eigenständig über die Organisation, Personalpolitik und Finanzierung, wie beispielsweise der Universitätsrat Basel. Sie beantragen Zulassungsbeschränkungen und entscheiden in eigener Kompetenz über Studiengebühren, wie beispielsweise der Universitätsrat Zürich. Demokratie und Mitbestimmung der Hochschulangehörigen und der Stimmbevölkerung gehen zu Gunsten einer Orientierung an der Wirtschaft verloren, die Ökonomisierung der Hochschulbildung wird somit in den Strukturen der Institution verankert. Aus der Idee einer Autonomie und Selbstverwaltung wird so ein Top-Down-System der Abhängigkeit und Unsicherheit für die Hochschule und ihre Teilorganisationen.

    Kritische Forschung und Lehre braucht Unabhängigkeit, um frei von Zwängen aus Politik und Wirtschaft die Gesellschaft prägen zu können. Echte Unabhängigkeit in der Wissenschaft bedeutet aber nicht, dass ohne demokratische Beteiligung der Hochschulangehörigen Entscheide getroffen werden können. Der enorme Nutzen einer wirklichen Hochschulgemeinschaft, deren einzelne Gruppen die Ziele gründlicher Ausbildung und hochwertiger Forschung gemeinsam verfolgen, kann nur erreicht werden, wenn alle Beteiligten in den massgeblichen Entscheidungsprozessen demokratisch partizipieren und mitbestimmen.[2]

    Der Verband der Schweizer Studierendenschaften fordert deshalb die Stärkung der demokratischen und partizipativen Autonomie der Hochschulen, statt einer zunehmenden Abhängigkeit von externen (und insbesondere wirtschaftlichen) Einflüssen. Wir wollen paritätische Mitbestimmung aller Hochschulangehörigen, insbesondere der Studierenden, statt Fremdbestimmung durch undemokratische Gremien. Wir fordern echte Autonomie mit der Beteiligung aller Betroffenen statt ein New Public Management für Hochschulen.


    [1] siehe Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel, im NZZ Campus: http://campus.nzz.ch/politik/harmonisch-leidenschaftlich-oder-heftig

    [2] siehe auch Perspektiven 2007, herausgegeben vom VSS, April 2003, Bern.

    Die Studentische Partizipation sichert die Qualität

    verabschiedet am 1. September 2012 an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung des VSS in ZürichDer VSS erwartet, dass die Versprechen in die Tat umgesetzt werden und bald die studentische Beteiligung und der Einbezug weiterer Hochschulangehörigen in der Qualitätssicherung und Akkreditierung der Hochschulbildung gänzlich gewährleistet sind. Dieses Versprechen ist so alt wie die Bologna-Reform, wird aber nicht von allen AkteurInnen der Schweizer Hochschullandschaft gleich verstanden und umgesetzt. Das Thema der Qualitätssicherung in der Hochschulbildung hat seit das neue, aber noch nicht in Kraft gesetzte, eidgenössische Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz angenommen wurde, an Wichtigkeit und (medialer) Aufmerksamkeit gewonnen.

    Die Einigung über die Ziele und den Umfang dieser Sicherung der Qualität wird prioritär werden und der VSS fordert die Hochschulen und die zugehörigen nationalen Koordinationsorganen auf, die Diskussion gemeinsam und mit den Studierenden zu führen. Doppelspurigkeiten in den Konzepten und im Prozedere der Qualitätssicherung könnten endlich vermieden und eliminiert werden, wenn die Erarbeitung der Standards von einem einzigen Organ gemacht werden würde: der zukünftige Hochschulrat, in welchem die Studierenden nur beratende Stimme haben. Der VSS fordert, dass die Studierenden im Hochschulrat nicht nur Einsitz, sondern auch Stimmrecht haben. In froher Erwartung werden heute die Vorbereitungen doppelt und dezentral gemacht – die Schweizerische Universitätskonferenz für die Universitäten und die eidgenössischen technischen Hochschulen, das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie für die Fachhochschulen – wobei es sinnvoller wäre, gemeinsame Arbeitsschritte einzuleiten, die Koordination zwischen den Hochschultypen zu fördern und ein Fazit aus vergangenen Prozessen zu ziehen, ohne die Autonomie der einzelnen Hochschulen in der Definition und Gestaltung ihrer internen Evaluation- und Qualitätssicherungspolitik zu gefährden. Die Erfahrungen der Programmakkreditierungen, vor allem an den Fachhochschulen, und die der Quality Audits an den universitären Hochschulen könnten dem zukünftigen Akkreditierungsrat als Basis für die Vorbereitungen dienen. Der VSS identifiziert diesen als Schlüsselinstitution und erhofft sich, dass die in diesem Gremium verankerte studentische Partizipation ernst genommen wird. So erwarten wir, dass mehrere Sitze für die VertreterInnen der Studierenden aus dem VSS zu Verfügung gestellt werden, im Sinne einer realistischen, machbaren und effektiven und für die Studierenden qualitative Partizipation! Das angebrachte Partizipationsrecht der Hochschulangehörigen ist ein „sine qua non“ Umstand für die Akkreditierung der Institutionen, wie die Weiterentwicklung der Qualität der Hochschulbildung, die Garantie der Chancengleichheit und Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern. Der VSS findet sich in diesen Forderungen wieder, möchte aber weiter denken und den Weg zur tatsächlichen Anerkennung dieser Partizipationsrechte durch die AkteurInnen der Hochschullandschaft angehen. Auf nationaler Ebene kommt es mittlerweile zu einem systematischen Einbezug eines/r studentischen ExpertIn aus dem studentischen Akkreditierungspool im ExpertInnengremium für externe Evaluationen, Akkreditierungen und Audits, der VSS ist im Qualitätsnetzwerk der Hochschulen vertreten und unsere Bemühungen um Einbindung in der Steuerung der nationalen Akkreditierungsagentur haben sich bezahlt gemacht. Der VSS hat sich stets für eine reelle Demokratisierung von Hochschulstrukturen eingesetzt und befürwortet die gemeinsame Entscheidungsfindung aller relevanten Gruppen. Dieses Prinzip konsolidiert das Vertrauen zwischen den AkteurInnen in der Bildungs- und Forschungslandschaft, das für eine sinnvolle und legitime Qualitätssicherung notwendig ist. Wir sind der Überzeugung, dass es an der Zeit ist, weitere Schritte im Sinne der Partizipation zu unternehmen, besonders im Bereich der internen Qualitätssicherung. Dazu muss dringend eine Basis für die Partizipationsrechte geschaffen, Einigung zur Zusammenarbeit erzielt und die resultierenden Konsequenzen akzeptiert werden. Das bedeutet, dass die Evaluation der Qualität und ihres Sicherungssystems divergierende und kritische Meinungen aushalten und Verbesserungsvorschläge und längerfristige Veränderungen zulassen muss. Dies sind alles eigentliche Ziele der Qualitätssicherung, die es anzuerkennen gilt – ansonsten wird das ganze System der Qualitätssicherung in Zweifel gezogen. Die simple Reduktion der Partizipation auf die Möglichkeit, sich zum Thema zu äussern, ist heuchlerisch und entspricht nicht dem Standard „eine Rolle für die Studierenden und weiteren Interessierten vor[zu]sehen“[1] Für den VSS und seine Sektionen ist es klar, dass diese Formulierung eine grössere, proaktive und konsequente Beteiligung impliziert und diese die einzig mögliche Umsetzung der Partizipation darstellt. Der VSS fordert eine sinnvolle und ernste Planung der Beteiligung der Studierenden an den anstehenden Quality Audits der universitären Hochschulen und stellt den Anspruch auf die Mitarbeit in den Selbstevaluationsgruppen, auf die selbständige Berichterstattung der Studierendenschaften der Universitäten und ETHs innerhalb des Selbstevaluationsverfahren, auf die Möglichkeit über das Verfahren an sich und über die Resultate Stellung zu nehmen und auf den kritischen und konstruktiven Dialog mit den externen ExpertInnen. Zum Schluss ist für den VSS klar, die Qualität der Qualitätssicherung misst sich an der Qualität der Partizipation!


    [1] Standard 1.1 European Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area, ENQA, Helsinki, 2005.