Stipendien

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Podium zum Luzerner Stipendiengesetz

Der Kanton Luzern revidiert sein Stipendiengesetz und schlägt dabei einen schweizweit neuartigen Weg ein: Auch Private sollen ein Studium mitfinanzieren.

An der Podiumsdiskussion debattieren Lars Stein (Gründer des Vereins Studienaktie.org), Priska Lorenz (Kantonsrätin SP/Juso) und Adrian Bühler (Kantonsrat CVP) über die Chancen und Risiken des neuen Gesetztes.

Die Medienmitteilung des VSS dazu: http:https://www.vss-unes.ch/2013/09/10/luzern-macht-studierende-zu-investitionsgutern/

Und diejenige der SOL: https://www.vss-unes.ch/wp-content/uploads/2013/10/Presse_Stipendiengesetz_LU.pdf

Bilde dir deine eigene Meinung am Mittwoch, 30. Oktober um 17:15 im HS8, Universität Luzern.

SOL-Podium

Im Wallis: Bildung nur für Reiche!

Medienmitteilung des VSS vom 4. Oktober 2013

Der Kanton Wallis plant Kürzungen im Umfang von 3.5 Mio CHF im Stipendienwesen und ist damit nicht der einzige. Die laufenden Debatten und Entscheide um Kürzungen sind besorgniserregend und gefährden den Bildungsstandort Schweiz. Zugang zur Bildung darf nicht vom sozio-ökonomischen Hintergrund einer Person abhängen, sondern muss allen nach Fähigkeiten und Neigungen gewährt werden. Eine qualitativ hochstehende Bildungslandschaft kann es sich nicht leisten, auf die Fähigkeiten von Personen zu verzichten, die aus finanziellen Gründen keine Ausbildung aufnehmen können. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) wehrt sich gegen Kürzungen im Bildungsbereich, welche die Chancengleichheit im Zugang zur Bildung weiter aushöhlen.

Die Regierung des Kantons Wallis schlägt dem Grossen Rat ein Budget für 2014 vor, das Kürzungen im Stipendienwesen von 3.5 Millionen, von 19.7 Mio auf 16.2 Mio Franken, vorsieht. Weniger Personen werden Stipendien beziehen können und die Stipendienbeträge werden gesenkt. Gerade Studierende aus dem Kanton Wallis absolvieren ihre Ausbildung ausserhalb ihres Kantons. Die Lebensunterhaltskosten sind somit höher. Kürzungen im Stipendienbereich treffen die Studierenden empfindlich.

Der Kanton Wallis ist nicht der einzige, welcher die Debatte um Kürzungen im Stipendienwesen führt. So wurde in den Kantonen St. Gallen und in Schaffhausen die Summe für Stipendien gesenkt, allerdings nicht in dem Ausmass. Der Kanton Luzern evaluiert momentan ein neues System. Ein Kaskadenprinzip soll eingeführt werden, welches zwar ein Grundstock an staatlichen Stipendien vorsieht, den Restbedarf jedoch über private Investoren decken will. Auch der Bund hat seine Ausgaben im Bereich des Stipendienwesen über Jahre hinweg immer wieder gesenkt.

Dem Bund und den Kantonen scheint nicht bewusst zu sein, was für Konsequenzen diese Kürzungen nach sich ziehen. Durch Kürzungen im Stipendienbereich haben Personen mit schwachem finanziellem Hintergrund noch weniger Chancen überhaupt eine Ausbildung machen zu können, welche ihren Fähigkeiten und Neigungen entspricht. Lea Oberholzer, Vorstandsmitglied des VSS, vertritt die Meinung, dass „nicht das Portemonnaie einer Person über den Zugang zur Ausbildung entscheiden soll, sondern die Fähigkeiten“. Die Schweiz kann es sich nicht leisten, freiwillig auf ein enormes Potential an Qualität, Innovation und Forschung zu verzichten, weil man durch ein ungerechtes Stipendiensystem fähigen Personen den Zugang zur Bildung verwehrt. Der Wirtschaftsstandort Schweiz würde dadurch längerfristig geschwächt. Durch Kürzungen im Stipendienwesen setzt man die Zukunft aufs Spiel.

Es führt kein Weg an einem gerechten Stipendiensystem vorbei, wenn man den Bildungsstandort Schweiz mit seiner hohen Qualität aufrechterhalten und fördern will.

Der VSS hat deshalb 2012 die Stipendieninitiative eingereicht. Sie sieht eine Vereinheitlichung des Stipendienwesens vor, einerseits sollen die Berechtigungskriterien, der Stipendienumfang und die Anzahl BerechtigteR nicht mehr kantonal geregelt werden, andererseits soll ein Stipendium, neben Erwerbstätigkeit und einer allfälligen Unterstützung durch die Familie, den minimalen Lebensstandard decken.

Der VSS fordert das Parlament des Kantons Wallis dazu auf, die Kürzungen im Stipendienwesen abzulehnen, für unser Bildungssystem einzustehen und die staatliche Verantwortung für die Chancengleichheit im Zugang zur Bildung zu tragen.

Weil Ausbildung Zukunft schafft!

 

Für den VSS

Lea Oberholzer (d/f)

Vorstandsmitglied 079 860 49 67

Mélanie Glayre (f/d)

Vorstandsmitglied 078 779 84 67

Luzern macht Studierende zu Investitionsgütern

Das Luzerner Parlament hat gestern sein neues Stipendiengesetz behandelt. Falls das Parlament bis zur 2. Beratung nicht noch seine Meinung ändert, wird Luzern damit zum ersten Kanton, der einen Teil der Darlehen zur Ausbildungsfinanzierung an Private auslagert. In Zukunft müssen sich einige AntragstellerInnen bei studienaktie.org vermarkten, um überhaupt studieren zu können. Dieser Schritt hin in Richtung mehr Chancenungleichheit ist eine der grössten Fehlentscheidungen der letzten Jahre im Stipendienwesen und zeigt erneut, wie notwendig die Stipendieninitiative des VSS ist bzw. was es heisst, wenn sich der Bund immer mehr aus der finanziellen Verantwortung zieht.

Ob sich der Luzerner Kantonsrat tatsächlich bewusst war, welche Konsequenzen ein Ja zum neuen Stipendiengesetz haben wird, ist schleierhaft. Es scheint ihn jedenfalls nicht zu stören, dass sich die öffentliche Hand mit diesem Gesetz aus der Verantwortung stiehlt und die Aufgabe der subsidiären staatlichen Ausbildungsfinanzierung an Private abgibt. Das neue Gesetz sieht vor, dass Studierenden, denen die zugesprochenen kantonalen Stipendien und Darlehen nicht ausreichen, auf private Mittel zurückgreifen können, anstatt mehr kantonale Mittel zur Verfügung zu stellen.

Der Kanton Luzern scheitert am Versuch, ein chancengleiches Stipendienwesen zu schaffen. Er verweigert sich der Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle mit den entsprechenden Neigungen und Fähigkeiten Zugang zur höheren Bildung haben und lässt StudieninteressentInnen im Regen stehen. Denn ob sich ein Investor von studienaktie.org tatsächlich für das eigene „Bildungsprojekt“ interessiert, ist unvorhersehbar und von den Gehaltsaussichten der Studierenden abhängig. Schliesslich lockt studienaktie.org potentielle InvestorInnen mit dem Versprechen einer Rendite, indem am zukünftigen Gehalt der AbsolventInnen partizipiert werden soll. Das Stipendienwesen wird als Markt missverstanden und es wird völlig ausser Acht gelassen, dass Bildung ein öffentliches Gut ist, das nicht gehandelt werden kann.

Dies führt dazu, dass sich Studierende, die von der pseudo-staatlichen Finanzierung abhängig sind, wohl ganz genau überlegen werden, mit welchem Studium sie ihre Schulden sicher und schnell abbezahlen können. Daraus ergibt sich eine Benachteiligung gegenüber finanziell besser gestellten Studierenden, die frei wählen können, welches Studium sie aufnehmen. Ausserdem folgt daraus eine arbeitsmarktliche Fehlentwicklung, weil die StudieninteressentInnen sich für diejenigen Studiengänge entscheiden werden, die im Moment zwar eine sichere Arbeitstelle und einen hohen Lohn garantieren, von denen aber niemand sagen kann, ob sie das in fünf Jahren immernoch tun. „Die schleichende Privatisierung des Stipendienwesens in Luzern verstärkt die bestehende Chancenungleichheit erneut und beweist, dass die Aufgabe der Regelung der Ausbildungsbeiträge die Kantone überfordert: Schliesslich hat auch das Stipendien-Konkordat der EDK diesen Fehlentscheid nicht verhindert“ sagt Mélanie Glayre, Vorstandsmitglied des VSS.

Der VSS ist über die Diskussion des Luzerner Kantonsrates konsterniert und appelliert an die Mitglieder des Rates, das Gesetz abzulehnen und für ein chancengleiches Stipendienwesen zu sorgen. Damit endlich auch in Luzern alle die ihnen entsprechende Ausbildung in Angriff nehmen können, gibt es jedoch nur eine Lösung: Die Annahme der Stipendieninitiative und die mit ihr einhergehende dringend notwendige materielle Harmonisierung. Es ist Zeit, dass die Politik Verantwortung übernimmt – weil Ausbildung Zukunft schafft!

Solidarity with Danish Students

Dear Member of the National Parliament of Denmark,
the Union of Students in Switzerland VSS-UNES-USU hereby expresses its deepest concern with the proposal of reforming the grant system for Danish students, Statens Uddannelsesstøtte (SU).
SU was and should stay an important factor offering free and fair access to higher education for all current and future students regardless of their socio-economic background. We believe that SU is not only vastly important considering the accessibility of higher education, but also ensures the opportunity to complete it without financial barriers.
This reform of the SU-system proposes not only the cut of the 6th year of student support but also the obligation of sticking to a harsh schedule of the numbers of ECTS to be reached within a closely defined timeframe. It furthermore lowers the amount of minimal support granted in absolute numbers and fails to take inflation into considersation. The reforms will make it harder to apply for higher education and seriously endangeres the possibilities to finish it – especially for students with a lower socio-economic background. The shortsighted project is not considering the social dimension at all, and acts unjustly by harming especially students with limited financial possibilities.
VSS-UNES-USU is seriously worried by the plans of the Danish government, since the effects of a deficient grant system are abundantly clear in Switzerland. The low amount of state support granted leads to the situation that students in Switzerland are not only highly dependent of the support of their parents but also 75% of them are working1 to finance their studies. 47% of the students at universities2 have at least one parent, who has an academic degree him- or herself. Considering that the percentage of population, which finished university studies doesn’t even reach 25%3 this number may make the difficulties to enter higher education for students with a non-academic background more than visible.
Therefore VSS-UNES-USU is fighting for the improvement of the Swiss grant system with all our possibilities and resources. We are currently campaigning for our own popular initiative, which is aiming at a change of the Swiss constitution to increase the amount of support granted and the percentage of students receiving it. The equal access to higher education is our first priority.
Knowing the effects of insufficiant student support, we stand in solidarity with Danske Studerendes Fællesråd (DSF) and call on the Danish members of parliament and the spokespersons for education to take a stance against the reform proposal of Statens Uddannelsesstøtte. Short term measures of austerity are not worth endangering the equal access to higher education.

Stipendien sind eine Investition in Bildung und Zukunft

Bund und Kantone sind sich heute einig: Stipendien sind eine Bildungsinvestition, und tragen dazu bei, dass Bildung allen nach Neigungen und Fähigkeiten offenstehen kann. Dies war nicht immer so: Stipendien wurden bis in die 60-er Jahre als Almosen für sozial Bedürftige verstanden. Änderungen in der Stipendienvergabepraxis der Kantone führten jedoch allmählich zu einer Veränderung dieses Verständnisses und des Stipendienbegriffs als solchem. Fortan bezeichnen die Kantone und alsbald auch der Bund das Ausbildungsbeitragswesen als Investition in die Bildung.

Eine Investition also, die Ausbildung ermöglicht, Ausbildungszugang schafft und Ausbildungsabschlüsse fördert. Für die Gesellschaft bedeutet diese Investition Verpflichtung und Recht zugleich. Einerseits besteht für alle ein Anspruch auf einen Zugang zur Bildung unabhängig von ökonomischen Prämissen. Andererseits muss die öffentliche Hand eine ausreichende Finanzierung des Stipendienwesens sicherstellen. Diejenigen, welche ausgebildet sind und in ihrer Berufstätigkeit auf Wissen und Kompetenzen, welche sie während der Ausbildung erlangt haben, zurückgreifen können, finanzieren also eine nächste Generation, welche eben gerade dabei ist, sich Wissen und Kompetenzen anzueignen um später wiederum ihren Teil an die Bildungsinvestition und an die Förderung der nachkommenden Generation zu leisten. Nur mit diesem solidarischen Moment des finanziellen Ausgleichs zwischen denjenigen, die Geld haben und denjenigen, die auf Unterstützung angewiesen sind, funktioniert das System langfristig.

Eine Gesellschaft, die Bildungsinvestitionen in Frage stellt und eine Politik, welche auf Kosten von Bildung, Bildungsangeboten und Bildungsinstituten ihre Sparmassnahmen vollzieht, ist nicht nur unglaubwürdig sondern gefährdet direkt auch die notwendige Förderung des menschlichen Kapitals als einzige Ressource der Schweiz.

Grundsätzlich ist die Konsequenz des fehlenden Willens in Bildung zu investieren nämlich die folgende: Am stärksten betroffen sind diejenigen, die so wie so schon schlechter gestellt sind, weil sie weder auf grosse Erbschaften noch ein reiches Elternhaus zurückgreifen können. Weil ihre ökonomische Situation keinen Besuch höherer Bildungsangebote zulässt. Weil bereits ihre Lebens-Notwendigkeiten nicht mit Leichtigkeit finanziert werden können. Problematisch ist dieser Umstand insbesondere hinsichtlich der Chancengleichheit unter Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche sich in obligatorischer und nachobligatorischer Ausbildung befinden und einen (verfassungsrechtlichen) Anspruch auf einen freien Zugang zu Bildungsangeboten hätten: Sie bedürfen eines harmonisierten und ausgebauten Stipendienwesens, welches ihnen diesen Zugang gewährleistet und als Investition in Bildung und Zukunft verstanden wird.

Elena Obreschkow ist seit März 2012 Generalsekretärin des VSS. Während ihrer Studienzeit war sie Präsidentin der AGEF an der Universität Fribourg. In der Sammelphase der Stipendieninitiative arbeitete sie im Kampagnenteam.

Der VSS veröffentlicht in regelmässigen Abständen Blogbeiträge von Aktiven und Alumnis in ihrer jeweiligen Sprache. Die Beiträge repräsentieren die Meinung der Einzelpersonen.